Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4010
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angeführten nur noch eine alte Miter von rothcm Sammet vor, 
angeblich von dem heil. Adalbert herrührend, die auf der vor- 
dern Hauptseite in Perl- und Goldstiekerei ausgeführt, die be- 
kannte mittelalterliche Schreibweise des Namens Jesus in den drei 
Buchstaben I. H. S. zeigt. Merkwürdigerwveise fanden wir, in Folge 
der Freundlichkeit des Domhcrrn Dr. Pessina, der als Schatz- 
meister von St. Veit eine Trennung der Nath des Futterstofies 
dieser Mitra vorzunehmen die Gewogenheit hatte, ein sehr in- 
teressantes, wie es uns schien, maurisches Gewebe des XII. Jahr- 
hunderts in grünen Dessins, auf ehemaligen hochrothem Fond, 
jetzt sehr erloschen, das vollständig identisch ist mit dem reichen, 
in Gold gewirkten Muster der einen mittelalterlichen Casel im 
dortigen Domschatze, die der Tradition zufolge aus dem fürst- 
lichen Mantel des ersten christlichen Herzogs und Martyrers, 
des heil. Weneeslaus, angefertigt worden sein soll. Noch hat sich 
im Domschatze zu Aachen eine kostbar gestiekte Casel erhalten, 
die unzweifelhaft griechischen Ursprimges ist, wie dies auch 
die beiden dazu gehörigen Stola und Manipel deutlich besagen, 
die mit Halbfiguren in Plattstich reich gestickt sind, deren Na- 
men durch eingewirkte griechische Inschriften sich kenntlich 
11141911911, Auch dieses merkwürdige Messgewand soll einer ziemlich 
irei-bfii-gten Tradition nach vom heil. Bernhard von Clairveaux 
bei dei- Feier der h. Messe im Münster zu Aachen gebraucht 
werden Sein, als er bekanntlich im Jahre 1143 am Rheine ent- 
lang den Kreuzzug predigte. Die "aurifrisia" dieses Messgewan- 
des, das in seinem Grundstoffe mehrfach verändert worden zu sein 
Scheint, ist als eine reiche Perlstickerei zu betrachten, und zwar 
sind diese Perlen ornamental geordnet auf einer dünnen Unter- 
lage von Leinfäden, sich gestaltend zu einem romanischen Laub- 
Qmament, das, als Ganzes in sich abgeschlossen, sich absetzt und 
nach kurzen Zwischenräumen wieder anhebt. Diese Perlstickerei, 
Wie gesagt, bestehend aus grossen Compartimenten ohne Zusam- 
menhßng, formirt auf dem Yorder- und Hintertheile des Ge- 
wandes ein gabelförmig ansteigendes Kreuz, eine Nachbildung 
des Palliums, WVir werden in einer spätcrn Lieferung die De- 
taillirung dieser merkwürdigen griechischen Stickereiäresp. den 
Schnitt des LIeSgg-cwandes in einer Abbildung beibringen und 
das hlahere dabei erläutern. Jetzt genüge es, in der Reihen- 
folge auf diese Stickerei aufmerksam gemacht zu haben. 
Im Vorhergehenden hatten wir in gedrangtcr Ucbersicht über 
Ausbreitung, technische Entwickelung und Vollendung der hö- 
llern Stickkunst, wie sie im XII. Jahrhundert im Dienste des 
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