Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3992
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gebracht haben und noch bis auf unsere Zeit gerettet wer- 
den istJ) 
Der grossen Sorgfalt des Domcapitulars Dr. Pessina für Er- 
haltung altkirchlicher Kunstgegenstände ist es zuzuschreiben, dass 
sich bis heute noch ein unscheinbares Stück einer ältern höchst 
merkwürdigen Stickerei erhalten hat, die uns Aufschluss gibt, in 
welcher Art und Weise die byzantinische Stickkunst zur Belebung 
und Ornamentirung grosser Gewandflächen aufgetreten ist. Es bildet 
das nämlich ein kleines Bruehstüek eines schweren dunkelrothen 
Seidenstoffes (ein festes ungemustertes Sergegewebe in einem 
feinen Köper), wovon eine unverbürgte Tradition angibt, dass es 
herrühre von der ncasula S. Andreae". Die beifolgentle Zeich- 
nung auf Tafel IX. veranschaulicht in gleicher Grüsse die Form 
und zugleich auch die Technik dieser interessanten byzantinischen 
Stickerei, die wir dem XII. Jahrhundert zu vindiciren kein Be- 
denken tragen. 2) Bekanntlich, wie schon in der ersten Abthei- 
lung dieses Werkes weiter angeführt worden ist, waren bereits 
zur Zeit des oft genannten Anastasius Bibliothecarius in den Ge- 
weben und Stickereien zu kirchlichen Ornaten gegen das VII. und 
VIII. Jahrhundert, von Byzantinern angefertigt, als beliebte Orna- 
mente immer wiederkehrend bezeichnet: "panna holoserica cum orbi- 
culis et cruce". Auch im X. und XI. Jahrhundert finden sich an bi- 
sehöfiiehen und Patriarchal-Ornaten, entweder in Gold gewebt 
Oder gestickt, eine Menge solcher Ringe, worin sich kleinere 
griechische Kreuze mit gleich langen Balken befinden. Dasselbe 
Ornament kehrt auch ohne hIodiiieation im XII. Jahrhundert zu- 
rück und soll sich mit geringer Abwechselung an den liturgischen 
Gewändern der schismatisch-griechischen Kirche traditionell erhalten 
haben. Die Deutung dieses stereotyp angewandten Ornamentes läge 
 
1) Zweifelsohne haben sich aus dieser Glanzepoche der byzantinischen Stickerei 
noch viele Ueberreste in ältern griechischen Kirchen und Klöstern erhalten 
in denen die griechische Kunst eine mehr stagnirende ist, und die Sacri: 
steien derselben nicht so sehr durch die modernen Lyoner Stoffe der zwei 
letzten Jahrhunderte überschwemmt worden sind. Wie wir aus zuverlässi- 
gen Mittheiluugen eines geübten Sachkenners erfuhren, der längere Zeit 
in Mogkau wohnte, sollen noch in der Patriarchalkirche zu Moskau, des. 
gleichen auch in dem Kreml, dem alten Czarenpalaste daselbst, sich noch eine 
bedeutende Anzahl von ältern byzantinischen Gewändern und Stickereien 
vorfinden, die für die Archäologie überhaupt und besonders für die Kennt- 
niss der liturgischen Gewänder der Griechen vom grössten Interesse sein sollen 
7) Der entgegenkommenden Freundlichkeit des k. k. Directors der Maler-Alm: 
demie zu Prag, Prof. Engert, verdanken wir eine Originalskizze dieser höchst 
interessanten Stickerei, die mit grosser Präcision und Stylwahrheit wieder e- 
geben ist. Vergl. beifolgende Taf. IX. g 
Liturgische Gewänder. r 14
        

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