Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3988
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Heiland thront, wie immer, sitzend auf dem Regenbogen, um- 
geben von den vier symbolischen Zeichen der Evangelisten. Da 
nach griechischer Weise bei solchen Darstellungen als Erklä- 
rung nie die Inschriften fehlen, so liest man neben dem ge- 
kreuzten Nimbus, das Symbol der Gottheit, zu beiden Seiten 
des jugendlich im glorificirten Leibe dargestellten Erlösers fol- 
gendes Legendarium: 1D 1T), "H PINALYTASIE K H ZQHÄ Den 
Herrn in seiner Glorie, wie er sie hatte von Anbeginn, um- 
geben, von einem goldenen Ringe eingefasst, vorstellend das 
Himmelsgezelt, die Chöre der Engel in ihren verschiedenen Ab- 
stufungen und Weiter unten die verschiedenen Coetus der Hei- 
ligen, gruppenweise geordnet, wie sie in den grössern Litaneien 
aufgeführt werden. Auf dem einen Schulterstücke an dem of- 
fenen Aermel des Prachtgewandes hat der Kunststicker zur Dar- 
stellung gebracht die Scene der Austheilung des Abendmahles 
und zwar theilt der Heiland selbst, wie das die Stickerei ver- 
anschaulicht, auf dem einen Aermel den knieenden Jüngern die 
Eucharistie aus unter der Gestalt des Brodes und auf dem andern 
Gewandtheile in der Gestalt des Weines. Auf diese Weise hat die 
grieschisehe Kunst, übereinstimmend mit dem Dogma der La- 
teiner, sinnig und treffend in Nadelmalerei zur Anschauung den 
Spruch gebracht: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, 
der hat das ewige Leben." Diese vielen Figuren und Darstel- 
lungen sind sämmtlich in Plattstich in feiner Haarseide gestickt 
auf einen dunkelvioletten purpurfarbenen Seidenstoff ohne Dessins. 
Sämmtliche Figuren selbst zeigen eine edele Composition und 
Zeichnung und leiden nicht an der starren Monotonie und jener 
rigorösen und ascetischen Steifheit, wie man sie sonst wohl an 
byzantinischen figürlichen Darstellungen zu finden gewohnt ist. 
Alle übrigen Laubornamente und Umrandungen sind in gewun- 
denen Goldfäden gestickt; desgleichen auch die vielen Kreuze 
von Kreisen umgeben, die als Ornamente den übrigen Grund- 
stoff ausfüllen. Wir nehmen keinen Anstand, dieses Gewand, 
das auch dem phantastischen römischen Volkstribun Cola de 
Rienzö im Jahre 13471) zu seinen anmaasslichen Kaiser-Auf- 
zügen hat dienen müssen, unstreitig zu dem Vortrefflichsten ge- 
zählt werden kann, was die langgeübten byzantinischen Bild- 
sticker auf dem Gebiete dieser altkirchlichen Kunst hervor- 
Vita di Cola di 
T. III. 
Rienzo, 
Cap. XXL, bei 
Muratori 
antiquitat. 
Italic. med. aev.
        

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