Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3972
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werden, dass diese Dalmatik nicht nur bei verschiedenen Kaiser- 
krönungen erst seit den Tagen der Hohenstaufen, sondern bei allen 
feierlichen Gelegenheiten in Gebrauch war, wenn die Kaiser bei 
ihrem vorübergehenden Aufenthalte in Rom in der vom Papste 
celebrirten feierlichen Messe als Diakonen das Evangelium san- 
gen, und im Diakonengewande dem Papste ministrirtcn. Auch 
geschah das Gleiche in jener feierlichen Krönungsmesse, die der 
Kaiserkrönung in Rom jedesmal vorherging. Schon Boisseree 1) 
in seiner sehr lückenhaft gehaltenen Abhandlung über die Kaiser- 
Dalmatik in Rnln, und vor ihm manche andere Archäologen 
haben aus sachlichen Gründen darauf hingewiesen, dass das in 
Rede stehende Prachtwerk der Stickerei unmöglich gegen Schluss 
des VIII. Jahrhunderts, d. h. unter Papst Leo III. habe ent- 
stehen können, und Sind wir mit Boisseree, gestützt auf ein 
mehrtägiges eingehendes Studium, das wir vor dem altehrwür- 
digen Originale anzustellen die Vergünstigung erhalten hatten, 
darin einverstanden, dass dieses unvergleichliche Ueberbleibsel 
der vollendeten byzantinischen Stickkunst gegen Schluss des XII. 
oder vielleicht noch mit Beginn des XIII. Jahrhunderts in der 
Hauptstadt des oströmischen Kaiserreiches von äusserst kunstge- 
übten Händen seine Anfertigung gefunden habe. Eine detaillirte 
Beschreibung dieSer merkwürdigen, Epoche machenden Stickerei 
für die Abtheilung dieses Werkes, wo eingehend von den Kaiser- 
Pontifigalien gehandelt wird, vorbehaltend, weisen wir hier, der 
Vollständigkeit und der geschichtlichen Uebersicht wegen, nur 
darauf hin, dass nicht nur aus den vielen unverkennbar byzan- 
tinischen Ornamenten, sondern mehr noch aus dem hierarchisch 
Strengen Typus der Figurationen, nicht weniger aus den eingestick- 
ten Inschriften und der eigenthünilichen Technik sich der griechi- 
sche Ursprung des reichen Kaisergewandes documentiren lässt. 
Auf der vordern Seite erblickt man reich in Figuren gestaltet und 
kostbar gestickt die Verklärung des Herrn dalEi_ in Gold 
gestickter Inschrift, als bekanntes Hierograrnm, IC , XC und der 
Ueberschrift in neugriechischen MajuskelschriftenfH METAMUP- 
052313, Auf der hintern Rückseite entfaltet sich eine zweite reich 
gestickte Sgene, die den Umstehenden am meisten sichtbar war 
und erblickt man hier in Plattstich gestickt die von den La- 
teinem ebenfalls sehr häufig dargestellte "majestas Domini", 
nämlich die Wiederkehr des Herrn am Ende der Tage. Der 
Ueber die Kaiser-Dalmatik in 
Boisseräe, mit 5 Abbildungen. 
der St. Peterskirche 
München 1842. 
Zll 
V01] 
S111?
        

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