Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3962
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arabischen Sprüchen in ähnlichen Ornamentationen, wie diesel- 
ben auch an den Säumen der oben angeführten Pontificalien der 
deutschen Kaiser zu ersehen sind. Auch befand sich noch gegen 
Schluss des vorigen Jahrhunderts in den päpstlichen Archiven 
des Vaticans zu Rom eine merkwürdige Stickerei als Tapete 
mit kufischen Inschriften in sich schlangelnden Spruchbändern, 
von Engeln gehalten, die in zierlichen Ornamenten kunstvoll ge- 
stickt, geeignet war, eine Vorstellung zu verschaffen von der Höhe 
der Entwickelung in zeichnenden Künsten, wie sie VOn den Sa- 
razenen in Sicilien im XII. Jahrhundert geübt wurden. 
Wir haben im Vorstehenden, unter Hinweisung auf die be- 
treffenden Kunststickereien, darauf aufmerksam gemacht, dass das 
XII. Jahrhundert jene Epoche war, wo, hervorgerufen durch mau- 
rischen Kunstfleiss, in Sicilien, namentlich aber in den Haupt- 
städten Palermo, Messina und Syrakus, die Kunst der Nadelwir- 
kereien zu einem noch nicht dagewesenen Grade der Vervoll- 
kommnung sich entfaltete. Aber auch Byzanz, die alte berühmte 
Kunstwerkstatte für solche Meisterwerke, die schon vor dem X. 
Jahrhundert eine Menge der kostbarsten kirchlichen und profanen 
Stickereien, wie im Vorhergehenden angedeutet wurde, entstehen 
sah, leistete noch immer dem gefährlichen Nebenbuhler und Con- 
currenten in Sicilien unverdrossen Widerstand. Und so gelangten 
bei der Regsamkeit und Betriebsamkeit der Griechen durch die 
Handelsverbindung der norditalienischen Freistädte, desgleichen 
auch bei der Heimkehr vornehmer Kreuzritter eine Menge von 
kunstreichen Nadelarbeiten in's Abendland, die in der Entstellung, 
wie wir sie als Bruchstücke heute noch vielfach antrafen, dafür 
beredtes Zeugniss ablegen, welche Geschicklichkeit die orientali- 
schen Griechen sich in Anfertigung von kunstreichen Nadelarbei- 
ten in hohem Grade erworben hatten. Wir übergehen eine 
Aufzählung jener orientalisah-byzantinischen Kunststickereien, wie 
wir sie in den Saeristeien der Dome von Anagni, Halberstadt, 
Aachen, Danzig, so wie in unserer eigenen Sammlung noch in 
ziemlicher Anzahl vorgefunden haben, und beschränken uns dar- 
auf, hier annähernd jene grossartigen Stickereien zu skizziren, wie 
sie sich an dem einzigen mittelalterlichen Gewande in der an mo- 
dernen Prachtstoffen reich gefüllten Sacristei von St. Peter in 
Rom erhalten haben. Es ist das jene kostbare Kaiser-Dalmatik, 
die Unkenntniss in den zwei letzten Jahrhunderten als die „dal- 
matica Leonis III." bezeichnet hat und von der man irrthümlißh 
behauptet, dass sie von Karl d. Gr. bei seiner Krönung in E0111 
angelegt worden sei. Das nur kann als begründet angenommen
        

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