Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3922
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mit breiten neben einander liegenden Fleehtstichen so ausgefüllt, 
dass dadurch in regelmassiger gleichartiger Technik die Haupt- 
localtöne in der Stickerei gebildet wurden. Sämmtliche Fleisch- 
partieen sind in unregelmässigem Plattstiche ausgeführt. Durch 
das lange Liegen an einem dumpfen und feuchten Orte sind die 
Farben an der vorliegenden interessanten Stickerei so erloschen, 
dass man kaum noch die frühern Haupttöne in der Farbe wahrneh- 
men kann. Von allen Farbetönen hat sich am besten erhalten die 
violette echte Purpurfarbe der Üntergewäntler dieser Apostelstatuen, 
die, wie es ihre Erhaltung lehrt, jedenfalls aus dem Safte der 
Purpurschneeke (murex) genommen war. Es unterliegt keinem 
Zweifel, dass diese Stickerei, die uns die technische Ausbildung 
und Entwickelung der iiguralen Stickkunst im XII. Jahrhundert 
diesseit der Berge zeigt, wie das auch ihr Fundort deutlich er- 
kennen liess, von abendländischen Künstlern angefertigt werden 
ist. Dass dieselbe in Deutschland ihr Entstehen gefunden habe, 
dürfte sich schon in dem bewussten Streben nach Naturwahrheit 
und Individualität deutlich entnehmen lassen, wodurch bereits im 
XII. Jahrhundert figurale Darstellungen germanischen Ursprunges 
sich deutlich von den formverwandten, jedoch verknöcherten und 
hierarchisch-stereotypen Bildungen der Byzantiner vortheilhaft un- 
terseheiden. Es kann in der vorliegenden Abhandlung, die, kurz 
gedrängt, den Entwickelungsgang der mittelalterlichen Stickkunst, 
in sofern sie kirchlichen Zwecken dienstbar war, andeuten soll, 
unsere Absicht nicht dahin gehen, die vielen Stickereien des XII. 
Jahrhunderts, wie sie sich in unserer Sammlung noch zahlreich 
vorfinden, des Nahern zu erörtern; desgleichen können wir bei 
diesen übersichtlichen Angaben nicht in langer Reihe aufzählen 
jene vielen Stickereien an liturgischen Ornaten, wie wir sie in 
den letzten sieben Jahren in den Schatzkammern grösserer Kathe- 
dralen auf längern Reisen aufgefunden und kennen gelernt haben. 
Es sei deswegen nur gestattet, der Vollständigkeit wegen jene 
ausgezeichneten kirchlichen Stickereien, wie sie sich, durch ihre 
hervorragende Bestimmung oder Grossartigkeit der Ornamente 
und figuralen Darstellungen besonders ausgezeichnet, heute noch 
erhalten haben, hier in Kürze in chronologischer Reihenfolge nam- 
haft zu machen. 
Wie wir im Vorhergehenden nachzuweisen versucht haben, 
waren die Sarazenen im südlichen Spanien und vorzugsweise in 
Sicilien schon im Beginne des XI. Jahrhunderts unstreitig im 
Oeeidente die hervorragendsten Meister, wenn es galt, zarte 
glänzende Seidenstoffe mit eingestiekten animalischen oder vege-
        

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