Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3903
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Im XII. Jahrhundert scheint es vielfach im Gebrauche ge- 
wesen zu sein, sich an Festtagen solcher reich in Gold ge- 
stickter Messgewänder zu bedienen, die, hinsichtlich ihrer Muster, 
sehr analog mit dem Dessin, welches wir auf Tafel VII. mit- 
getheilt haben, kunstreich ornamentirt waren mit symbolischen 
Thiergestalten von Adler, Löwe, Greif, Pelikan, Einhorn etc. 
Dass man" nach diesen in Gold gestickten Thierfiguren im XII. 
Jahrhundert, wie früher im Vorbeigehen angedeutet wurde, auch 
häufig die Gewänder benannte und nicht, wie das heute viel- 
fach der Fall ist, nach den Farben, erscheint uns gar nicht 
auffallend, indem diese symbolischen Thierornamente, oft in ziem- 
lieh grossem Umfang, hervorstehend in Gold und Farbe, sich 
auch dem Blicke der Fernstehenden sofort kenntlich machten. Da- 
mit übereinstimmend lesen wir in ältern Schatzverzeichnisscn, 
dass die liturgischen Gewänder häufig nach diesen vielgestalti- 
gen, theils eingewebten, meistentheils aber eingestickten natur- 
historischen Mustern benannt zu werden pflegten, z. B. das 
Adlergewand, das Messgewand mit dem Löwen, die Pfauenka- 
pelle u. s. W. 
Man begnügte sich jedoch nicht in der form- und bilder- 
reichen Zeit des XII. Jahrhunderts die Stickkunst in unterge- 
ordneter Weise zur Darstellung von gestickten, meist symboli- 
schen Thierügurationen an liturgischen Gewändern auftreten zu 
lassen, sondern man versuchte sich auch in Anfertigung von 
grössern Heiligenfiguren in Plattstich gestickt, wie sie den An- 
tependien an der vordem I-Iauptfronte des Altars zum auszeich- 
nenden Schmuck an hohen Festtagen gereichen sollten. Dass 
die Darstellung der zwölf Apostel in aufrechter Stellung unter 
architektonischer Einfassung sich zur Stickerei besonders an 
dieser Stelle eignete, ersieht man an den vielen Altarbeklei- 
dungen aus dieser Zeit, die fast durchgehende mit den ge- 
stickten Figuren der zwölf Sendboten kunstgerecht verziert 
waren. In Mitte dieser Apostelstatuen erscheint auf diesen ge- 
stickten Festtags-Vorhängen in der Regel die „majestas Domini", 
der Herr, wie er erscheint auf den Wolken des Himmels zum 
zweiten Male wiederkommend, nicht als Erlöser, sondern als 
Richter, mit erhobener segnender Rechten, und dem Buche der 
Belohnung (liber scriptus) in der Linken. Die Darstellung auf Taf. 
VIII. veranschaulicht in charakteristischer Copie zwei Standbilder 
von Aposteln, in einer Grösse von 56 Centimetern, wie sie die 
Stickkunst gegen Mitte des XII. Jahrhunderts in sehr edeler 
Composition und gewählter Technik hervorgebracht hat. Ehe-
        

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