Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3874
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Georg in Köln etc., fast sämmtlich aus dem XI. Jahrhundert, wo 
nicht nur selbst die Zahl der Gewänder eine sehr beschränkte 
und unansehnliche ist, sondern wo auch seltener von Stickereien 
und reich verzierten Säumen an Ornaten Erwähnung geschieht. 
Hingegen lesen wir in den Inventaren der Domsohätze, die uns 
noch ungedruckt vorliegen, von Trier, Halberstadt, Mainz, St. 
Peter in Rom, der Kathedrale von Palermo und mehrern fran- 
zösischen und englischen bischöflichen Kirchen eine Menge von 
interessanten Angaben der gegen den Schluss des XII. und 
Anfang des XIII. Jahrhunderts in den betreffenden Sacristeien 
zahlreich vorfindliehen bischöfiichen und priesterlichen Gewänder, 
sondern auch eine grosse Zahl von neuen ungekannten Termen 
kommen in diesen Verzeichnissen gehäuft vor, wie man um 
diese Zeit die einzelnen gestickten Ornamente hinsichtlich ihrer 
Herkunft, ihrer Technik und der Kostbarkeit ihrer Ausführung 
zu benennen pflegte. 
Die grössere Ausdehnung, die im Zeitalter der Kreuzzüge 
die Stiekkunst im Dienste des Altars gewonnen hatte, gibt sich 
am meisten dadurch zu erkennen, dass man sich nicht mehr, 
wie in den vorhergehenden Jahrhunderten, damit begnügte, ein- 
zelne hervorragende ornamentale Theile an den priesterlichen 
Gewändern, den Vorhängen, Altarbekleidungen durch gestickte 
Arbeiten reicher auszustatten, sondern dass man, zumal an Fest- 
tags-Ornaten, dazu überging, den ganzen Seidenstoff der falten- 
reichen priesterlichen Gewänder S0 mit goldenen Dessins kostbar 
durch Nadelarbeiten zu heben, dass dadurch doch nicht ein schöner 
leichter Faltenwurf übermässig erschwert oder verhindert wurde. 
Diese Deeeins im XII. und XIII. Jahrhundert waren meistentheils 
gewählt aus dem Thier- und Pfianzenreich und bildeten schwung- 
hafte Arabesken von naturhistorisch scenerirten Darstellungen, zu- 
weilen mit symbolisch-mystischer Bedeutung, die meistens VQn 
Kreisen oder andern geometrisch geformten Umrandungen, die 
sich netzfürmig fortsetzten, umringt waren. Die Stickerei wählte 
also ihre Motive und Ornamente aus demselben Bereiche, woher 
auch die Sculptur, zur Belebung der Capitäle, Sockel, Wulstc, 
Simse, ihren Vorrath an Ideen hergenommen hatte. Dass der 
Orient in Aufstellung solcher oft bizarren, immer aber schwung- 
und phantasievollen historisch scenerirten Bildungen, namentlich in 
den Geweben und Stickereien, die zur Zeit der Kreuzzüge mag- 
Senweise ihren Eingang in das Abendland fanden, für die Klein- 
künste, besonders aber für die Stickkunst maassgebend wurde, 
ist uns vielfach einleuchtend geworden, da wir uns in der
        

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