Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3853
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die die abendländischen Sieger aus den Reihen der Kreuzritter 
im Lande der Begiegtell hatten keimen und werthschätzen gelernt, 
Was von diesen reichen kostbaren Stickereien des Orients nicht 
auf Handelswegen durch Kauffahrer, oft um hohe Preise, in 
die Hand der Kirche gelangte, das wurde meistens als Geschenk 
für befreundete Kirchen, von einzelnen Rittern und Anführern 
der occidentalischen Glaubensstreiter in die Heimath, nach harten 
und schweren Kämpfen und Gefahren, als Weihegeschenke mitge- 
bracht und auf den Opferaltar der Kirche gelegt. Auch die Bi- 
schöfe, die damals häufig mit in den h. Krieg zogen, versäumten 
es nicht, für die Schatzkammer ihrer Kathedralkirche die kostbarsten 
Gewebe und Stickereien in Byzanz und Griechenland anzusammeln 
und als Danksagung nach glücklicher Rückkehr der Kirche zuzu- 
wenden, Bei unserm mehrmaligen Aufenthalt in Halberstadt ist es 
uns gelungen, Dank der entgegenkommenden.Freundlichkeit des 
verstorbenen, vielseitig gebildeten Ober-Dompredigers Augustini, 
eine beglaubigte Abschrift jener merkwürdigen Schenkungsacte, wie 
vorhin schon bemerkt, zu erhalten, die vom Bischof Conrad von 
Halberstadt bei seiner Rückkehr aus den Kreuzzügen dem Dome 
daselbstjbergeben worden ist. In derselben sind in langer Reihe 
aufgezeichnet alle jene Stoffe mit reichen Stickereien, die der ge- 
dachte Bischof aus dem Üriente, als Geschenke für seine Kirche, 
mit heimführte. In diesem Verzeichnisse lesen wir von kost- 
baren Altardecken, die mit Goldfäden gestickt und mit Perlen 
aufis reichste ausgestattet waren. Von einer andern Decke heisst 
es: dass auf derselben die Ankunft des Herrn in seiner Herr- 
lichkeit, die „majestas Domini", in Silber und Perlen auf eine 
sehr edele Weise ausgeführt war. 1) 
Aber nicht nur die Bischöfe und die Fürsten, sondern auch 
der grosse Tross der Kreuzfahrer, die den h. Krieg mitge- 
macht hatten, kehrten, wie wir im ersten Theile bereits an einer 
Stelle ausführlicher mittheilten, mit kßßtbaren Stoffen und Sticke- 
reien naeh dem Falle von Byzanz, Antiochien und so vieler 
andern Stapelplätze des Orients beladen, als Begüterte in ihre 
Heimath zurück, die früher aus Noth die niedrigsten Dienste 
im Heere der Kreuzritter verrichtet hatten. Dass bei der Opfer- 
willigkeit der damaligen frommgläubigen Zeit die verschiedenen 
grössern und kleinern Kirchen des Abendlandes ihren guten 
Auch vier Fahnen (vexilla), zwei grössere und zwei kleinere werden in die. 
sem Inventare aufgeführt, die alle in Gold gestickt waren. Wir werden 
später Gelegenheit nehmen, dieses merkwürdige Inventar mit andern gleich- 
artigen der Oeflentlichkeit mit erläuternden Anmerkungen, zu übergeben, 
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