Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3832
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vordere schmale Stab, an der Oeffnung der pluviale (aurifrisia, 
praetexta) so wie das hintere Schild, (clypeus, was imXILundXIII. 
Jahrhundert noch eine sehr bescheidene Ausdehnung hatte) das 
die Stickerei für ihre Ornamente vorzugsweise in Anspruch nahm. 
Noch erwähnen wir der grüssern Kirchenfahnen und der Banner, die, 
weil sie grössere Flächenausdehnung boten, von der Nadelmalerei 
schon im XI. und XII. Jahrhundert vielfach mit figürlichen Dar- 
stellungen, Sprüchen und Ornamenten in geeigneter Technik belebt 
wurden, jedoch so, dass dadurch die Fahne nicht ohne Noth erschwert 
und nicht widernatürlich in der Mitte steif und unbeweglich ge- 
staltet wurde. Unseres Wissens nach bewahrt nur noch die 
Schatzkammer zu Halberstadt zwei ältere griechische Fahnen (vexil- 
lum, labarum), die, aus dem Schluss des XII. Jahrhunderts stam- 
mend, höchst merkwürdige figurale Goldstickereien zeigen, mit ein- 
gestickten griechischen Sprüchen umgeben, auf deren Beschreibung 
wir später zurückkommen werden. 1) 
Es würde zu weit vom vorgesteckten Ziele abführen, wenn 
wir hier noch weiter darauf eingehen wollten, die Nachweise 
beizubringen, wie und welche besondere Theile des am Altare 
gebräuchlichen Weisszeuges bereits im XI. und XII. Jahrhundert 
von der Stickkunst mit Ornamenten in Seide, Wolle und Leinen 
kunstreich ausgestattet wurden. Das Nähere darüber werden wir 
später anzuführen nicht versäumen, wenn wir die Stickkunst hin- 
sichtlich ihrer technischen Einrichtung erörtern, wie sie im XIV. 
und XV. Jahrhundert ihre Höhe auch in der Weisszeugs-Arbeit 
erreicht hatte. Hier genüge es nur noch anzudeuten, dass bereits 
im XI. und XII. Jahrhundert es in der abendländischen Kirche 
vielfach Sitte wurde, grössere Leintücher in Weisszeugstickereien 
mit Anwendung des Tambouretstiches so auszufüllen, dass sich 
figurale und ornamentale Bildungen erzielen liessen. Dieser 
grossen Tücher, Hungertücher (pallia quadragesimalia, frallzöß. 
drap de faim) genannt, bediente man sich, um dieselben in der 
Fastenzeit zur Verhüllung und Abtrennung des Chores vom 
Schiffe der Kirche unter dem sTÜUmPhbÜEeDGS aufzuhängen, der 
den Eintritt in das Chor bezeichnete. 2) 
L 
1) Auch in Würzburg zeigt man noch eine merkwürdige Fahne des heil. Kilia- 
uns, die jedoch nicht ein so hohes Alter beanspruchen darf. Desgleichen 
bewahrt der Domschßtz von St. Veit das sogenannte „vexillum St. Georgii" 
mit einem eingestickten Perlenkreuze. So findet sich auch in der Waffen. 
halle des königl. Museums zu Dresden ein älteres griechisches Banner. 
2) Vielleicht alsRest eines solchen Hungertuches hat sich auf einem gröbern Lein. 
tuche in der Apostelnkirche zu Köln bis zur Stunde noch erhalten. Die darauf 
Liturgische Gewänder. "ß 13
        

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