Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3818
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gestickten Ornamenten zu verreichern. 1) Um die Mitra als 
hervorragende Kopfzier des Pontifex möglichst kunstreieh aus- 
zustatten, nahm die Stickkunst in dieser Epoche, namentlich zur 
Anwendung von Perlen und eingefassten Edelsteinen, als: Rubi- 
nen, Smaragden, Saphiren und Amethisten ihre Zuflucht, die sie 
oft in zu grosser Häufung auf der kleinen Fläche der Inful an- 
wandte. Daher findet man auch in altern Schatzverzeichnissen 
oft die Angabe : „item mitra pretiosissima gemmis et perlis ornata", 
oder: „mitra festalis gemmata". Auch sogar die Miniaturmalerei 
zog man zuweilen herbei, um den Reichthum der gestiekten 
"ligulac" an bischöflichen Mitren in der Weise zu vermehren, 
dass man kleinere Miniatur-Medaillons auf Pergament auf's zar- 
teste ausmalte, dieselben, von Stickereien umgeben, auf den schma- 
len Streifen der lNIitra aufnähete und mit kleinen Perlrändern 
einfassteß) Besonders boten Stolen und Manipel, deren sich die 
Bischöfe bei den Pontifiealhandlungen bedienten, sehr geeignete 
Räume dar, die die Kunst des Stickers in verschiedenartiger 
abwechselnder Technik zierlich auszustatten sich nicht nehmen 
liess. Ausser einigen besonders reichen Stolen und Manipeln in 
der oft erwähnten Schatzkammer zu Halberstadt verdienen hier 
noch eine besondere Erwähnung die reich gestickten Stolen, zu 
dem Messgewande gehörend, was der heil. Thomas Becket von 
Canterbury während seines Aufenthalts zu Sens nachweislich bei 
der Feier der h. Messe in Gebrauch hatte. Das merkwürdigste 
Exemplar einer reich gestickten Stola und einer Manipel aus 
dieser Zeit, eine offenbar griechischeKunststickerei, unseres Dafür- 
haltens dem Schluss des XI. Jahrhunderts angehörend, bewahrt man 
heute noch im Sehatze des Münsters zu Aachen. Dieselbe zeigt 
Halbtiguren, in Plattstich ausgeführt, vorstellend die Bilder ver- 
schiedener Heiligen, deren Namen in griechischer lilajilskelschrift 
In Gold eingestickt sind. Auch war es bereits im XI., mehr 
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Solche ältere Mitren mit einem grossen Aufwand von Stickereien besitzt 
heute noch der Dom von Halberstadt, die Benedictiner-Abtei St. Peter zu 
Salzburg und sind bei diesen reichern Infuleu sowohl die Stäbe als auch 
die "rornua." mit vielen zierlich getriebenen Goldblechen kunstvoll ausgestattet. 
S0 fanden wir in dem Scherze der altehrwürdigen Kathedralkirche zu Anagni, 
zwischen Rom und Neapel, dem Geburtsorte und dem frühem Bischofssitze 
des grossen Innocenz III. mehrere sehr merkwürdige bischöliicho Infulcn, 
die wohl zu Innocenz' Zeiten in Gebrauch gewesen sein mögen. Die ältesten 
derselben, griechische Nadelarbeiten in Gold gestickt, schienen uns aus dem 
XII. Jahrhundert herzustammen. Vgl. das Nähere über diese merkwürdigen 
Stickereien zu Anagni in dem Berichte des M. Barbier de Montault in 
Didron Annales Archeologiques, Juillet et Aoüt 1857.
        

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