Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3778
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durch gestickte Vorhänge nfrontalia" und "dorsalia" kungtgerecht 
auszustatten. Wir beschränken uns darauf, um bei dem Einzelnen 
nicht zu lange zu verweilen, hier nur hinzuweisen auf den reich 
in Gold gesticktem Altarvorhang, den die Kaiserin Agnes, Gemah- 
lin Heinrichs 1V., im Jahre 1087 nach Monte-Cassino als Geschenk 
überbringen liess. 1) Ferner war es schon, dem Anastasiils Bi- 
bliothecarius zufolge, im VII. und VIII. Jahrhundert in Italien häufig 
der Fall, dass die Stiekkunst es unternahm, die weiten lillachen 
der Altarvorhänge, „coopertoria altaris, tetravela", mit eingewirk- 
ten Ornamenten und zuweilen auch mit grössern iiguralen Dar- 
stellungen aufis kunstreiehste auszustatten. Diese Vorhänge, auch 
zuweilen nvela, pallia altaris" genannt, hingen bekanntlich von 
den Balken, „trabes", oder von eisernen Stangen herunter, die 
nach vier Seiten hin über die vier freistehenden Säulen gelegt 
waren, die den baldachinartigen Aufsatz trugen, an dessen WVöl- 
bung, mit Kettehen befestigt, die Eucharistie, meistens in einer 
kunstreieh gearbeiteten Taube, schwebend über der mensa des 
Altars befestigt war. Diese seidenen, oft reich bestickten Vor- 
hänge waren oben in Ringen beweglich, so dass damit das Cibo- 
rium nach den vier Seiten konnte verhüllt Werden. Durch 
Anbringung dieser vier Vorhänge, die der Stickkunst ein weites 
Feld boten, um hier in grossartigem Maassstabe prachtvolle Nadel- 
wirkereien zu Ehren des Höchsten auszuführen, fand auch der 
Ausdruck seine volle Erklärung, wenn es im Staffelgebete heute 
noch heisst: „introibo ad altare Dei". Dieses Zwischenhinein- 
gehen zum Altare fand dann wirklich Statt, wenn der Vorhang 
des Altares, der der Gemeinde zugewandt war, nach beiden Seiten 
geöffnet und dem Priester nach dem "confiteor" der Zutritt 
Zu dem von den drei andern Seiten verhüllten Altare zwischen 
den vier Säulen des Ciboriums offen gelegt wurde. War nun 
der Stickkunst in Seide und Gold und andern reichen Materialien 
vielfach um diese Zeit Veranlassung geboten, das Ihrige zur Aus- 
schmückung des Altartisches und des darüber sich erhebenden 
Ciboriums oder Baldachin-Aufsatzes beizutragen, so war den we- 
Niger geübten Künstlerinnen im einfachen Materiale von Wolle 
und Leinen es nicht benommen, durch die Kunst ihrer Hände 
verschönern zu helfen jene Teppiche, die über die Stufen des Al- 
tares und über den Boden des engern Presbyteriums, namentlich 
an Festtagen ausgebreitet wurden. Diese „tapecia, stragula", 
L 
Mabillon, Act. SS. Ordinis 
p. 595, 600, 603, 604. 
Benedicti, 
Paris 
1701. 
V14
        

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