Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3760
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Opfer am Kreuze auf eine unblutige Weise täglich in der h. 
Messe erneuern sollten. Wie hatte auch der Altar und seine 
Diener, da die Kirche im Innern und im Acussern durch die 
Beihülfc der religiösen Kunst ihr Fcierklcid anzulegen begonnen 
 hatte, des nöthigen Schmuckes entbehren können, da der fromme 
Sinn der Gläubigen und die opfer-willige Grossmuth der Bi- 
schöfe und Fürsten, zumal in dieser glaubenseifrigen Zeit stets da- 
rauf Bedacht nahm, die Opferstätte und ihre nächste Umgebung auf 
das würdevollste und reichste auszustatten? Die ältern Schatz- 
verzeichnisse, die wir in einer spittern Abtheilung ausführlicher 
mitzutheilen uns vorbehalten, die Sterberegister (obituaria) der 
altern Kirchen und die testamentarischen Bestimmungen einzelner 
geistlichen und weltlichen Fürsten jener Zeiten liefern uns deut- 
liche Belege, wie sehr die Goldschmiede und Goldsticker des XI. 
Jahrhunderts bestrebt waren, den fortgeschrittenen künstlerischen 
Anforderungen und den erhöheten Bedarf der Kirche hinsichtlich 
kunstreieher Gefässe und Ornate nachzukommen. Vornehmlich 
bot die Form des Altars, 1) wie er noch in der Basilika des XI. 
und auch des XII. Jahrhunderts bestand, den frommen Sticke- 
rinnen die gewünschte Gelegenheit, hier ihr schönes Kunstgewerk 
in grossartigstem Maassstabe entfalten zu können. Besonders war 
es die unter dem Ciborium freistehende Altar-Mensa, die nach 
vier Seiten hin, entweder durch die Kunst des Goldschmiedes oder 
durch die Kunstfertigkeit geübter Bildsticker in figurenreichen 
Darstellungen einen erhebenden und würdigen Schmuck erhielten. 
Die bekannte sPalla-dbro" zu St. Marcus in Venedig, die noch 
reichern goldenen Altarbekleidungen zu St. Ambrogio in Mailand, 
desgleichen die kostbaren Schmelzwerke der Altarbekleidungen zu 
Kloster-Neuburg und der Kirche zu Komburg in Schwaben 
führen wir im Vorbeigehen als Belege an, wie sehr es sich die 
"aurifabri" jener Tage angelegen sein liessen, durch die Geschick- 
lichkeit ihrer Hände und durch den Glanz der edelsten Metalle 
die nvestimenta" oder „palla altaris" auf das prachtvollste auszu- 
statten. Leider sind aus dieser fernliegenden Epoche unseres 
Wissens keine reichern Kunstdenkmale uns überkommen, die 
uns davon genauere Kunde gäben, wie die Stiekkunst des XI. 
Jahrhunderts sehr oft in Verbindung mit der Goldschmiedekunst 
es verstanden hat, die hervorragenden Räume der Altar-Mensa 
Vgl. hierüber die gediegene Sfhriftr 
christlichen Altars, von Fr. Lalb und 
Stuttgart 1857. 
Studien über die 
Dr. Jos. Schwarz, 
Geschichte 
Seite 20  
des 
22.
        

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