Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3756
 
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dem vorliegenden liturgischen Gewande symbolisch zu deuten 
ist, lassen wir in Frage gestellt sein, Wenngleich die Deutung dieser 
Darstellung auf den Ileiland als den mystischen „Löwen vom 
Stamme Juda" nicht so fern liegen dürfte- 
Bevor wir im Folgenden eingehende Umschau halten, Welche 
weitere Entwiekelungsphasen die Stickerei im Dienste des Al- 
tares im XII. und im Beginne des XIII. Jahrhunderts durch- 
gemacht habe, sei es erlaubt, am Schlusse dieser geschichtlichen 
lVfittheilungen über die Erfolge und die Anwendung der Stik- 
kerei im XI. Jahrhundert die einleitende Frage zu stellen: 0b 
denn in dem kirchlichen Cultus die Anwendung von Stickereien zur 
Ausstattung gewebter liturgischer Ürnate im XI. Jahrhundert 
grösseres Bedürfniss geworden, und welche liturgische Gebrauchs- 
gegenstände und Gewandstücke vornehmlich der Stickerei zur 
Ausschmückung und Verzierung überwiesen worden seien? Be- 
reits im I. Theile dieses Werkes haben wir an geeigneter Stelle 
gezeigt, dass nach Beseitigung der in chiliastischen Vorurtheilen 
begründeten Furcht vor dem Untergange der WVelt im Jahre 
1000 auf allen Gebieten der Kunst ein neues erhöhetes Leben 
und ein lebensfrischer Aufschwung sich zu entwickeln begann. 
Die Architektur, die Mutter und Lehrerin aller übrigen Künste, 
begann zuerst sich freier zu gestalten und schuf für die an- 
dern untergeordneten, mehr ornamentalen Künste die Raume, 
wo dieselben, untergeordnet, sich freier und selbstständiger ent- 
falten konnten. So erhielt die Sculptur den Auftrag, die Ein- 
gänge der Kirche, die Capitäle, die Bogen und WVulste, so wie 
die Altar-lWensa, die Ambonen und den Taufstein mit vielge- 
staltigen, lehrreichen Figuren zu beleben. Die Malerei wurde 
angewiesen, die grossen Vvandfiachen" durch Ornamente und 
grössere und kleinere scenerirte Darstellungen, dem Alten und 
Neuen Testamente entlehnt, zu einem offenen Buche zu gestal- 
ten, für alle diejenigen, die sonst nicht lesen konnten. WVenn 
nun den beiden ornamentalen Künsten, Sculptur und Malerei, 
die Vorhalle der Kirche, das Langschiff und der Chortheil der- 
selben zur Ausschmückung zunächst überwiesen wurden, so war- 
es jedoch vornehmlich zweien Künsten vorbehalten, den Altm- 
würdig auszustatten, jene hervorragende Stätte, wo das Centrum aller 
liturgischen Handlungen, das geheimnissvolle Opfer gefeiert wurde. 
Es waren das die Stickerei, in Verbindung mit der WVeberei, und 
die Goldschmiedekunst, die unter allen übrigen Künsten den Eh- 
renvorzug erhielten, den Altar, die Altargeräthschaften und Gefiisse, 
so wie die Gewänder derjenigen kunstreich zu verzieren, die das
        

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