Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3740
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Abgesehen aber auch von der geometrischen im Viereck geord- 
neten, bei den Mauren üblichen Eintheilung der Ornamente und 
von den Syrenen, die wir auch auf andern Ornamenten dieser Zeit 
in Sicilien während eines längern Aufenthalts daselbst vorgefun- 
den haben, sind die vielen mehrfarbigen eingestickten Verzierun- 
gen, besonders aber der immer Wiederkehrende Halbmond, deut- 
liche Belege, dass die auf Tafel VI. abgebildete höchst interessante 
Stickerei durch maurisehen Kunstfieiss vielleicht in jenem blühen- 
den "gynaeceum" angefertigt wurde, das zur Zeit des Normannen- 
Fürsten Robert Guiscard mit dem Palaste der sicilianisehen Kü- 
nige in Verbindung stand und von einem höhern Hofbearnten 
überwacht und geleitet wurde. Es sei uns gestattet, in Kilrze 
hierorts noch einige Erläuterungen über die höchst interessante 
Art und Weise zu geben, wie die maurisehen Kunststicker vor- 
liegende seltene Nadelwirkerei angefertigt haben. Die fragliche 
Stickerei ist angewandt zur Ornamentation einer äusserst breiten 
und langen Manipel; dieselbe misst nämlich in ihrer grössten 
Breite fast 18 Oentimeter, bei einer grössten Länge von 1 Meter 
6 Centimeter. Sämmtliche Ornamente sind auf ziemlich grobem 
Leinen so tambourirt, dass die Tambourirungen streifenweise als 
goldene und farbige Litzchen neben einander liegend fortgeführt 
sind. Es ist dies eine merkwürdige Technik, die, wir gestehen 
es offen, nur an wenigen Stickereien uns zu Gesicht gekommen ist. 
Nachdem sämmtliche Thier- und Pflanzen-Ornamente in gedach- 
ter Technik ausgeführt waren, hat der Kunststieker erst begon- 
nen, den Grundfond in braunrother Seide (feu) auszufüllen, und 
zwar ist diese Ausfüllung in nicht zu stark gedrehter Flock- 
seide mit unregelmässigen Plattstiehen, im sogenannten Flammen- 
stich, bewerkstelligt worden. Hinsichtlich der immer wieder- 
kehrenden Darstellung der Syrenen in dieser Stickerei, wie sie 
auf der Zither mit dem Dreiklange, mit den Deckeln und auf 
Blas-Instrumenten ihre zauberisehe Musik ausführen, drückt sich 
der vorhin oitirte "Physiologus" also warnend aus: 
„Alliciunt pene 
Suasus hostiles 
nautas cantando syrene 
dulces Christi fuge miles." 
Noch machen wir auf die prachtvoll in Gold gestickte grössere 
Einzeliigur des Löwen aufmerksam, welche auf dem untern Fuss- 
theile der Manipel (vgl. beifolgende Tafel VI.) kunstgerecht und 
in schöner Stylisirung angebracht ist. Ob nun diese Figur an 
L 
bilden die gründlichen Erörterungen zu vergleichen indem trefflichen Werke 
von Prof. Piper: „Mythologie und Symbolik der christlichen Kunst."
        

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