Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3706
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Occidents den geschickten Künstlern des morgenländischen Kaiser- 
thums für den häufigen Bedarf an reichern Pontificalgewätndern zins- 
pflichtig waren, und wie venetianische Kaufleute, sehr häufig aber 
auch Juden, die Veranlassung und die Brücke boten, dass solche 
Kunstschätze des Orients in die Sacristeien der Kathedralen des 
Occidents über Meer eingeführt wurden. Gleichwie ferner Byzanz, 
Alexandria, Damascus, Jerusalem vor und nach der Epoche der 
Kreuzzüge die Stapelplätze bildeten, wo Kauffahrer, Handelsleute 
und reiche Pilger ihren Bedarf an kostbaren Seidengeweben und 
Stoffen hernahmen, so waren auch jene eben genannten vielbe- 
suchten Handelsplätze im XI. und XII. Jahrhundert bekannte 
Fundorte, wo byzantinische, arabische und persische Stickereien 
von grossem Reichthum und grosser Kostbarkeit für Ausstattung 
der gottesdienstlichen Gewänder und Bekleidungen von den auf- 
blühenden Kirchen des Abendlandes vielfach begehrt wurden. 
Aber nicht nur der Orient bot in seinen reichen Gold- und Perl- 
stickereien, meist ohne sein Vorwissen, den bischöflichen Kirchen 
des Abendlandes die Gelegenheit dar, die Feier der h. Geheim- 
nisse durch kunstreich gestickte Gewänder verherrlichen zu hel- 
fen, sondern auch die Mauren im südlichen Spanien und die Sa- 
razenen in Sicilien und Calabrien waren gegen Schluss des XI. 
Jahrhunderts unausgesetzt in Thätigkeit, für den grossen Welthandel 
kostbare gestickte Arbeiten anzufertigen, die nicht nur an den 
Höfen der Fürsten sehr gesucht und mit hohen Preisen bezahlt 
wurden, sondern die auch in der Hand der Kirche für Cultzwecke 
eine manchfache Anwendung fanden. In der ersten Abtheilung 
des vorliegenden Werkes, worin wir die Geschichte der W e- 
berei zu kirchlichen Zwecken ausführlicher nachgewiesen haben, 
haben wir den Beweis beizubringen gesucht, dass schon vor 
dem XI. Jahrhundert in dem muselmännischen Spanien und auch 
bei den Sarazenen in Sicilien auf dem Gebiete der Seidenwe- 
berei bedeutende Fortschritte erzielt worden waren. Längere 
Forschungen haben uns nun zu der Einsicht geführt, dass im 
Mittelalter mit der kunstreichen Weberei von Seidenstoffen auch 
die Anwendung und Entwickelung der Stickerei gleichmässig 
Hand in Hand ging, so zwar, dass in vielen Fällen Stickerei 
und Weberei sich gegenseitig ergänzten und in der Regel die 
Stickerei das mit der Nadel auszuführen und nachzuholen be- 
strebt war, was der Webstuhl, die Maschine, aus technischen 
Gründen noch nicht darzustellen vermochte. So ist auch in dem 
nhötel de tiraz", dessen Einrichtung und künstlerische Erzeugung 
Von reichen Seidenstofien wir in dem ersten Theile ausführ-
        

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