Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3696
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dig zu begehen, für kirchliche Cultzwecke die schönsten und 
kunstreichsten Stickereien auch fortwährend im XI. Jahrhundert 
angefertigt wurden. In grössern Benedictiner-Abteien, wie das 
auch vorhergehend schon angeführt worden ist, kam es im XI. 
Jahrhundert, als überhaupt in den reichern Abteien Kunstgewerke 
einen höhern Aufschwung nahmen, allgemeiner in Aufnahme, 
einzelnen besonders geschickten „brarnbaricarii", "breudatores" 
entweder in dem Bereiche des Klosters die Anfertigung von 
kirchlichen Ornamenten und Utensilien zu übertragen, oder 
man legte auch an manchen Stellen, getrennt von der Abtei 
auf Höfen, "metairies", solche umfangreichere Institute an, wo, 
unter Leitung eines kunsterfahrenen Klostergeistlichen, nicht nur 
der Bedarf an kirchlichen Gefässen, sondern auch an Para- 
menten, Ornatcn und Stickereien für die Abtei selbst und 
deren oft zahlreiche Filialkirchen reichlich geliefert wurden. 1) 
Dass aus diesen mit den Klöstern in Verbindung stehenden kirch- 
liehen Kunst-Instituten auch vielfach kostbare liturgische Sticke- 
reien hervorgingen, die auf Kosten befreundeter Aebte, Bischöfe, 
oder auch für einzelne Glieder des Säcularklerus angefertigt 
wurden, unterliegt wohl keinem Zweifel, und kann man da- 
für eine Menge von Citaten aus altern Schriftstellern bei- 
bringen. Auch lasst sich der Nachweis führen, dass sich die 
Kunst der kirchlichen Ornament-Stickereien an bischöflichen 
Hochstiftern, namentlich in einzelnen grössern Städten, WO schon 
in früher Zeit ein regeres Kunstleben auch in der Laienwelt sich 
zu entwickeln begann, von einzelnen Laien als geübte Ornat- 
sticker selbstständig und gegen Zahlung einer gewissen Summe 
von Seiten des Bestellgebers angefertigt wurden. Die Hauptliefe- 
ranten, ja, wir möchten fast sagen die Inhaber eines Monopols 
für Anfertigung von grössern und reichern Stickereien waren 
auch noch das ganze XI. Jahrhundert hindurch jene industriellen 
und strebsamen Griechen, die als langgeübte Sticker ihr chre11- 
volles und lohnendes Kunsthandwerk entweder in Byzanz, in der 
Nähe des an reichen Luxus gewohnten Kaiserhofcs betrieben, 
oder durch die Bilderstreitigkeiten vertrieben und ausser Brod 
gesetzt, in Mittel-Italien, dem alten griechischen Exarchat, sich 
durch die Geschicklichkeit ihrer Hände einen ehrenvollen Unter- 
halt und ein neues Vaterland erwarben. Bei alten Autoren lesen 
wir an manchen Stellen, wie die vielen und reichen Kirchen des 
1) So liefert heute noch das Cisterzienser-Stift Osseg in Böhmen ein ausge- 
zeichnetes sehr gesuchtes Fabrikat von schwarzen Zeugen in Wolle wie sie 
für kirchliche Zwecke erforderlich sind. i  
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