Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3687
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Gewandreste aufgenäht, so dass die alten zerrissenen Theile sich 
noch alle erhalten hatten. Bei einer genauern Durchsicht dieser des- 
sinirten Seidengewebe von weisser Farbe, reiche Thier-Muster ent- 
haltend, wie sie kreisförmig eingefasst im X. und XI. Jahrhundert 
gang und gäbe waren, ergab es sich, dass dieses Gewand, wie die 
Tradition angab, wirklich die Tage Heinrichs II. gesehen haben 
konnte. Für unsern vorliegenden Zweck erwähnen wir besonders 
die kürzliche Wiederauffindung dieses interessanten Kaisergewandes, 
da der untere Rand desselben, „limbus, gyra", mit einer auch 
technisch äusserst merkwürdigen Goldstickerei verbrämt ist. Auf 
diesem ziemlich breiten Umfassungsrande, der um das ganze Ge- 
wand geführt ist, befinden sich nämlich, von Kreisniedaillons, die 
sich an einander schliessen, eingefasst, eine lNIenge thiersymboli- 
scher Ornamente in Form von geflügelten Drachen. Sowohl diese 
Umfassungen, als auch sämmtliche ornamentale Darstellungen 
waren ehemals erhaben aufliegend in Perlschnüren ausgeführt. 
Leider sind, wahrscheinlich bei Aufhebung des Hochstiftes Bam- 
berg, diese echten orientalischen Perlen entfernt worden, so dass 
man heute nur noch in weissen Schnüren von Leinen die Unter- 
lage sieht, auf welcher früher eine Menge von Perlen in ziem- 
licher Grösse befestigt waren, Auch die Unterlage, auf Welcher 
sich diese Perl-Ornamentationen befanden, ist höchst kunstreich in 
Gold und rother Seide in einer Weise gestickt, dass es heute 
schwer fällt, die technische Einrichtung dieser reichgestickten gol- 
denen Unterlage genügend zu kennzeichnen. Dieser breite ge- 
stickte Rand der Kaiser-Albe IIeinrichfs II. im königl. Museum 
zu München ist geeignet, sich eine adäquate Vorstellung zu machen, 
nicht nur von dem Reichthume und der Kostbarkeit hervorragen- 
der gestickter Gewänder dieser Zeit, sondern auch insbesondere 
von den eigenthümlichen naturhistorisch figurirten Mustern, womit 
die "periclysist" an kirchlichen Gewändern, Vorhängen, Atltarbeklei- 
dungen, der Aufzählung des Anastasius Bibliothecarius zufolge, 
sehr oft ausgestattet war, Bei der fortgeschrittenen Entwicke- 
lung, welche die Stickerei zu kirchlichen Zwecken, namentlich 
gegen Mitte und Schluss des XI. Jahrhunderts erfahren hatte, 
wäre es hier wohl an der Zeit, die Nachfrage anzustellen: welche 
Städte vorzugsweise in der angegebenen Epoche sich für Anfer- 
tigung der Kunstwerke höherer Stickerei den Rang streitig mach- 
ten? Wie wir im Vorhergehenden schon angeführt haben, war 
lange schon vor dem X. Jahrhundert jede grössere weibliche Be- 
nedictiner-Abtei als eine friedliche und gesicherte Arbeitsstätte zu 
betrachten, aus vvzelcher, um die Feier der heil. Geheimnisse wür-
        

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