Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3672
 
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Pontificalien der Fall ist. Nur dürften in der an altern kostbaren 
Stickereien namentlich des XIII. und XIV. Jahrhunderts äugsergt 
reichen Zitter des Domes zu Halberstadt auch noch mehrere 
Stickereien sich vorfinden, die von dem Zuge Bischofs Conrad in 
den Qrient als Geschenke mit heimgeführt (1208), die Frühzeiten 
desXI. Jahrhunderts gesehen haben. 1) Hierzu ist beSOIIÖerS zu 
rechnen: eine griechische ausserst merkwürdige Fahne (vexillum), 
die in ihren Ornamenten und griechischen Stickereien deutliche 
Kennzeichen an sich trägt, dass sie in der letzten Hälfte des XI. 
Jahrhunderts Wahrscheinlich in Byzanz für kirchlichen Gebrauch 
angefertigt worden ist. Desgleichen dürfen wir nicht bei Auf- 
zählung der ältesten kirchlichen Ornatstücke ausser Acht lassen 
jene interessante Kaisertunica, die die Tradition ebenfalls der 
Person des h. Heinrich zuschreibt. Dieses merkwürdige Gewand, 
ehemals wahrscheinlich eine "tunicella", oder aber eine „alba im- 
perialis", war bei der Säcularisirung des Heehstifts Bamberg mit 
andern Kirchenschatzen nach München zugleich mit den oben be- 
schriebenen Kaisermänteln in unfreiwilligen Gewahrsam gekommen. 
Als aber vor wenigen Jahren der Gerechtigkeitssinn und die Kunst- 
liebe Sr.  des Königs Max von Baiern dem ziemlich veröde- 
ten Schatze des Bamberger Domes die oben bezeichneten Pracht- 
gewänder als ehrwürdige Kunstreliquien aus den Zeiten Heinrichs 
des Heiligen wieder zurück zu erstatten befahl, scheint unbeachtet 
zurückgeblieben zu sein die in Rede stehende „tunicella imperia- 
lis", indem sie, durch die Üngunst der Zeiten sehr entstellt, viel- 
leicht ungeübtern Augen kein grösseres Interesse bieten mochte. 
Dieses kunstreich gestrickte Gewand wurde kürzlich von dem Hof- 
rathe Baron von Aretin an unbeachteter Stelle wieder entdeckt, und 
hatte derselbe behufs einer gründlichen Untersuchung die Gewo- 
genheit, eine Auftrennung des heutigen werthlosen Qberstoiies der 
besagten kaiserlichen Albe, eines weissen dessinirten Seidenda- 
mastes aus dem vorigen Jahrhundert, auf unsern Wunsch hin 
vornehmen zu lassen. Wie wir vermutheten, hatte man im XVH. 
Jahrhundert, da der primitive Qriginalstoff sehr beschädigt Wor- 
den war, einen schützenden Oberstoff über die alten schadhaften 
 
i) Der zuvorkomrnenden Freundlichkeit des verstorbenen, um Erhaltung der 
Domschätze zu Halberstadt äusserst verdienstvollen Ober-Dompredigerg 
Augustini verdanken wir eine beglaubigte correete Abschrift der merkwür- 
digen Sehenkungs-Urkunde des besagten Bischofs, und haben wir uns wäh- 
rend unseres mehrmaligen Aufenthaltes zu Halberstadt überzeugt, dass heute 
noch fast zwei Drittel der in der Schenkungs-Urkunde bezeichneten Kunst- 
gegenstände in der Schatzkammer daselbst sich erhalten haben. 
Liturgische Gewänder. "i 12
        

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