Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3658
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sen. Die Central- und Hauptdarstellung auf dem hintern Theile 
des Gewandes beginnt da, wo es auf den Schultern aufliegt, 
und hat zum Gegenstande den Herrn der sichtbaren Schöpfung, 
wie er in seiner Herrlichkeit umgeben ist von den vier symbo- 
lischen Thierzeichen der Evangelisten. Die Inschrift, die eben- 
falls im Geruche des Islams steht, lautet als Hexameter: „Aeter- 
nae usiae sit gratuln 110g Caesaris donum". Statt des concreten, 
den Christen gelaufigern Ausdrucks ,.Deo, Trinitati", hat der mau- 
rische Künstler die mehr rationalistische, dem Griechischen entnom- 
mene Bezeichnung dvouf (ens aeterne) hier angewandt. Neben dem 
Heiland zur Rechten und zur Linken, wo auch das Alpha und Omega 
nicht fehlt, sind als Hauptrepräsentanten des gestirnten Hirn- 
mels die beiden Lichter des Firmaments, Sonne und Mond, in 
alt klassischer mythologischer Weise in Goldfäden gestickt und 
zwar als Phöbus mit dem Sonnenwagen, an den die feurigen 
ROSSG geschirrt sind, und Luna, ebenfalls stehend auf einem 
Zwiegespann, über deren Haupt sich die Sichel erhebt. Unter 
der Darstellung des nhüchsten WVesens" als Schilpfer und Er- 
halter des Weltalls hat der Kunststicker, der sich daran erin- 
nerte, dass der Praehtmantel die Schultern des frommen christ- 
lichen Kaisers Heinrich schmücken sollte, die Mutter Gottes 
kunstreich in Goldfäden gestickt, jedoch nennt die Inschrift sie 
nicht „mater Dei, Dei genitrixß, sondern der maurische Künstler 
hat ihr ebenfalls als Himinelslicht eine hervorragende Stelle in 
seinem Universum, das er auf dem Mantel darstellen sollte, an- 
gewiesen, und lautet die dabei befindliche gestickte Inschrift: 
Jllaria stella ave regina". In den Vielen andern IlIedaillons, die 
reihenförmig geordnet sind, folgen dann die bildlichen Darstel- 
lungen des Thierkreises, zugleich vermischt mit Vorstellungen 
aus dem alten und neuen Testamente; kurz, man sieht in die- 
sem reichen Kaiserrnantel Heidnisches und Christliches gemischt. 1) 
Am interessantesten ist unstreitig jene praChi-VOÜQ, in YOmani- 
sehen reich verzierten Majuskelschriften gestickte Inschrift, die 
in ziemlicher Breite um den untern Rand des Kaisergewandes 
herumgeführt, in leoninischen Hexametern eine Lobeshymne auf 
 
Man wundere sich nicht darüber, dass sämmtliche Inschrifcen lateinisch ge. 
stickt sind. Die maurischen Künstler Siciliens, denen wir unbedingt die 
Anfertigung dieses Meisterwerke der Bildstickerei zuschreiben, Waren, wie 
es scheint, des Lateinischen eben so mächtig, wie ihrer eigenen Mutter- 
Sprache, wie das aus den Goldstickereien der breiten Säume der Kaisemgbe 
zu entnehmen ist, wo Insehriften in arabischer Currentschrift (Neschi) mii; 
lateinischen Iuschriften an einem und demselben Gewandstücke abwechseln,
        

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