Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3591
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Entivickelungsganges, den die Malerei und Stickerei im Dienste 
der Kirche bereits im XI. Jahrhundert genommen hat. Das 
Vorfinden desselben gibt uns nämlich Aufschluss über die Art 
und XVeise, wie man an Höfen die Stickerei zu damaliger Zeit 
betrieb und welche andere Künste das Aufkommen und die 
Durchführung von geschichtlichen grüssern Stickereien voraus- 
setzte. Ausser der Kunst des Schönfarbens, des Webens und 
der künstlichen Präparation des Goldfadens setzte eine Stickerei, 
wie wir sie am ungarischen Krönungsmantel oben nachwiesen und 
wie sie uns auch bei den reich gesticktem Kaiserniänteln im 
Dome von Bamberg aus derselben Epoche entgegentritt, bereits 
eine höhere compositorische und technische Entwickelung auf 
dem Gebiete der Malerei voraus. Es lässt sich nicht anneh- 
men, dass bei solchen grössern und reichern Stickereien von der 
Stickerin auch Erfindung und Entwurf der Zeichnung herrühre. 
Die Coinposition und Anordnung der figuralen Darstellungen 
auf dem ungarischen Krönungsmantel, noch mehr aber der künst- 
lerische Entwurf zu den gestiekten Darstellungen auf den Kai- 
sermänteln zu Bamberg, zu deren Beschreibung wir jetzt über- 
gehen werden, setzt nicht nur eine Fülle der Phantasie, eine 
Gewandtheit in den Formen, sondern auch in den meisten 
Fällen eine höhere theologisch-wissenschaftliche Bildung voraus, 
wie man sie von den Stickerinnen damaliger Zeit, und wenn 
sie auch die Begabung einer Hroswitha gehabt hätten, in ihrer 
Vereinigung nicht füglieh erwarten darf. W ie auf dein (drebiete 
der figuralen Holzsculpturen spätere Bildschnitzer hinsichtlich 
der Composition sich oft den Kunstwerken hervorragender Ma- 
1er ihrer Zeit ängstlich anschlossen, 1) wie die Malerbuden Ita- 
liens bedeutend auf die Seidenweber ihrer Umgebung Einfluss 
nahmen und der Weberei lange Zeit hindurch als rctournirende 
Dessins kleinere Scenerieen aus der religiösen und profanen Ge- 
schichte dictirtenß) wie ferner selbst der Metallgiesser, der Gold- 
schmied in vielen Fällen an den Componißiell und SChaffßnden 
mental kritisch strenge nachgewiesen werden würde. Da. sich eine solche 
grosse Originalpause des ungarischen Krönungsmaxltels in unsern Händen 
bereits befindet, so erübrigte noch, dass durch Vorsorge der k. k. Central- 
Commission eine solche Pause auf dem Originale in Martinsberg von e 
übter Hand aufgenommen würde. g  
So haben nachweislich van Eik, Memling, Martin Schön, selbst der 5 äte 
Dürer vieles in Malerei geschafen, was jüngere Bildschnitzer im ä re 
Holze wiederzugeben wussten. arten 
Vgl. I. Lieferung Seite 59-65.
        

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