Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3567
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bildlicht werden soll. Um diesen zweiten breiten Rand ist herum- 
geführt eine dritte schmale „periclysis", die halbkreisförmig in 
frühromanischen Majuskeln die in der Anmerkung S. 157 bezeich- 
nete sehr interessante Inschrift, in Gold gestickt, zeigt. Dieser 
schmale Rand mit der Inschrift umgibt ein inneres halbkreis- 
förxniges Compartiment, im grüssten Durchmesser von 30 Centi- 
meter, in welchem, ebenfalls halbkreisfürmig geordnet, die Kunst- 
fertigkeit der königlichen Stickerin angebracht hat, in stehender 
Stellung, die grössern und kleinern Propheten, die durch bei- 
gestickte Namen, wie dies überhaupt bei allen Figuren des Ge- 
wandes der Fall ist, kenntlich gemacht sind. Diese Propheten 
des alten Bundes umgeben die grössere Darstellung des Heilandes, 
sitzend auf dem Throne seiner Herrlichkeit, wie er ein Drachen- 
Ungeheuer mit seinen Füssen zertritt. (Vgl. die getreue Copie 
in verkleinertem Maassstabe auf Taf. III.) Diese Darstellung 
des Heilandes als Sieger über Tod und Hülle, umgibt ein ova- 
les Medaillen, worin in „phrygischer Arbeit" folgender leoni- 
nische Vers an ebraeht ist: 
"äostibus en Christus prostratis emicat altus." 
Dieses grössere Medaillen, das Hauptbild des kunstreichen 
Gewandes, bildet die Mitte eines in schmalen gestickten Orna- 
mentstreifen gabelförmig ansteigenden Kreuzes. In dem nach 
unten hin ausmündenden Stabe desselben erblickt man ein zwei- 
tes, jedoch kleineres Medaillen, ebenfalls in ovaler Form, in 
Mitte der sitzenden Apostelfiguren, das in Gold gestickt aber- 
mals den Heiland in seiner Glorie zeigt, die im Mittelalter oft 
genannte „majestas Domini" mit erhobener segnender Rechte, 
in der Linken das Evangelicnbuch haltend. In dem ovalen 
Rande lesen wir folgenden leoninischen Vers: 
„Sessio regnantem notat et Christum dominantem," 
Da, wo der nach oben hin ansteigende Stab des Gabel- 
kreuzes das durch die beiden schräg sich erhebenden Kreuzesarme 
gebildete gleichseitige Dreieck in zwei congruente Dreiecke theilt, 
befinden sich in jedem derselben ein drittes und viertes klei- 
neres Medaillen, ovalförmig, in welchen die Stickerin sitzende 
Heiligentiguren angebravht hat, und die ebenfalls von leonini- 
schen Versen umgeben sind. 
Wir hätten in Vorliegendem in gedrängten Zügen die vie- 
len figuralen Darstellungen skizzirt, die heute noch nach so 
vielen zerstörenden Katastrophen, wenn auch kaum noch er- 
sichtlich, den ungarischen Krönungsmantel zieren; wir müssen 
jedoch hinzufügen, dass der vorerwähnte Krönungsmantel, als
        

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