Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3526
156 
III. 
RELIGICESE 
STICKEREIEN 
SEIT 
DEN 
ZEITEN 
OTTUS 
III. 
BIS 
ZUM 
IN TERREGN UM. 
(SPZETROMANISCI-IE 
KUNSTPERIODE.) 
In der vorhergehenden Epoche trat die Stickerei, sich kümmer- 
lich nährend, was das Technische betrifft, von den noch spärlich 
erhaltenen Reminiscenzen der alten „phrygiones" des klassischen 
Zeitalters, manchmal bescheiden und schüchtern auf, zumal auch die 
"Malerei, die Vorgängerin und sozusagen die Lehrerin der Stick- 
kunst, noch nicht zu einer gewissen Selbstständigkeit und höhern 
Entwickelung es gebracht hatte. Auch war die Stickkunst in dem 
karolingischen Zeitalter, das sowohl diesseit als auch jenseit der 
Berge den von anhaltenden, verwüstenden Kriegen schon lange 
brach liegenden Garten der Kunst kaum wieder zu bebauen begon- 
nen hatte, noch zu sehr hinsichtlich der Composition und Technik 
an vorliegende typisch-hierarchische Vorbilder gebunden, als dass 
an eine höhere Vollendung der Stickerei zu liturgischen Zwecken 
in der vorhergehenden Epoche hätte gedacht werden können. 
Man könnte deswegen mit Recht den im Vorhergehenden 
bezeichneten Zeitabschnitt, von der Erhebung des Christenthums 
zur Staatsreligion unter Constantin bis zu den Zeiten des dritten 
Qttofs, die Kindheitsepoche der Kunst der freien Nadelarbeiten 
benennen, in welcher dieselbe, geführt am Gängelbande zweier 
altersschwachen Lehrmeister, sich hinsichtlich der Technik, wie 
vorher bemerkt, an die überlieferten altrömischen Regeln und 
rücksichtlich der Composition an byzantinische Vorbilder anlchnte. 
Bereits mit dem Schlusse des XI. Jahrhunderts waren vielfach 
die frühern kunstlosen Nothbauten, meistens aus Holz, verschwunden, 
und von warmem Glaubenseifer beseelt, sah man diesseit der 
Berge gi-össere und kleinere Steinbauten zu Ehren des Höchsten 
entstehen, die hinsichtlich ihres Styles sich wohl an das in Italien 
aufgestellte Mustervorbild der römischen Basilika umschlossen. 
Doch aber machte sich in diesen Bildungen, besonders im Orna- 
mente, ein gewisses Streben nach Selbstständigkeit und eine ab- 
weichende nationale Ausprägung der Formen geltend. Auch die 
WVand- und Miniaturmalerei und mit ihr die zu Ansehen und 
vielfacher Anwendung gekommene Stickkunst hatte sich noch 
nicht von den überlieferten Fesseln völlig los zu machen gewusst, 
sondern der neu erwachte jugendliche  Formentrieb versuchte es 
Anfangs noch unbeholfen auf verschiedene Art, statt des ver- 
knöcherten überlieferten Formengesetzes von Byzanz neue lebens- 
vollere Formen zuwege zu bringen. Zwar dauerte es 110011 immer
        

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