Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3487
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reiche Stickereien, wie sie für den Altargebrauch nöthig waren, 
in der angegebenen frühen Kunstepoche zu suchen seien. 
In der grossen Wüste, die durch das feindliche Anprallen 
verschiedenartiger in Strömung begriffener Völkerschaften in jenen 
aufgeregten Zeiten entstanden war, und die für das höhere geistige 
Culturleben der jugendlich auflebenden Völker im Abendlande 
noch lange nach dem Sturze des römischen Reiches bis zu den 
Zeiten der Karolinger lähmend wirkte, bildeten die durch den 
heil. Benedict zahlreich gegründeten Klöster diesseit und jenseit 
der Berge friedliche und grünende Oasen, wo alles Können und 
Wissen Erhaltung, Pflege und Entwickelung erhielt. Gleich- 
wie in diesen geräusvhlosen Klostermauern die Literatur, Musik, 
Sculptur, Malerei und Goldschmiedekunst von schlichten Mönchen 
im Dienste der Kirche fortdauernd geübt wurde und ihre höhere 
Wreihe empfing, so hatten auch, namentlich in der Zurückgezogenheit 
der weiblichen Klöster die Gesetze und Regeln der höhern Stick- 
kunst, wie sie sich vom alten Rom und Byzanz traditionell 
vererbt hatten, ein erwünschtes friedliches Asyl gefunden. So 
kann man nachweisen, dass grössere bischöfliche Kirchen um 
diese Zeit oft ihren Bedarf an reichern kirchlichen Stickereien 
für Ausstattung von Mitten, Stolen, Chirotheken und Sandalen 
in naheliegenden Klöstern anfertigen liessen. Ja, in vielen Klü- 
stern scheint sogar um das VI. Jahrhundert die Stickerei eine 
solche Ausdehnung gewonnen zu haben, dass man sich nicht 
allein darauf beschränkte, den Reichthurn in Stickereien der kirch- 
lichen Gewänder zu heben, sondern man ging sogar dazu über, 
Profangeivänder in Klöstern zu sticken. Deswegen finden wir 
auch in der Klosterregel des heil. Caesarius für Jungfrauen, um 
dem ebengedachten Missbrauche vorzubeugen, folgende heilsame 
Vorschrift: „Plumaria et acupictura et omnie polymitum vel 
stragula sive ornaturae nunquam in monasterio fiant. Ipsa etiam 
ornamenta in oratoriis simplicia esse debent; nunquam plumata, 
holoserica, numquam bombycina. . .  Acupictura nunquam nisi in 
mappulis aut facitergiis in quibus abbatissa jusserit, liat.  f") 
Auch Donatus (der auch zu Ende des VI. Jahrhunderts lebte) 
hat diese Vorschrift des heil. Caesarius, Bischofs von Arles, in 
seinen ähnlichen Klosterregeln mit aufgenommen. Dass im VII. 
Jahrhundert die Stickkunst, und zwar nicht nur für Ausstattung 
der kirchlichen Gewänder, sondern auch der profanen Gewänder 
bereits grössere Ausdehnung namentlich in England gewonnen hatte, 
L 
monasterii 
i) Regula 
Caesariae
        

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