Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3471
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kommen und die Entwickelung des andern verwandten mit sich 
herbeizuführen. Die Beschreibung der „pallia saraceniea, 3,11m 
intexta" bei altern Schriftstellern lässt mit Grund vermuthen, 
dass diese aus dem IX. und X. Jahrhundert her-rührenden kost- 
baren Stoffe (etoffes orientales, etoffes d'outre-mer) noch lange 
vor der Herrschaft des Robert Guiscard von den für den grossen 
Welthandel thätigen Saracenen Siciliens oder des südlichen Spa- 
niens angefertigt seien. Diese unsere Hypothese, die auch einer 
entgegengesetzten Ansicht das Feld frei lässt, erhält dadurch 
einen grössern Nachdruck, dass auch der prachtvolle Kaiser- 
mantel Heinriclfs II.  1024) zu Bamberg offenbar den Blau- 
ren im südlichen Italien, einer Inschrift zufolge, seine Entstehung 
zu verdanken hat, auf welchem ebenfalls, wie auf der vorlie- 
genden Stickerei, christliche und saracenische Symbole und Dar- 
stellungen abwechseln, und auf welchem auch lateinische Cha- 
raktere und Sprüche vielfach gestickt sind. 
Dass die Stickerei schon vor dem Auftreten der Normannen 
in Sicilien sich einer gewissen Blüthe, namentlich in der Haupt- 
stadt Palermo zu erfreuen gehabt habe, geht schon daraus her- 
vor, dass der kufisehen Inschrift zufolge bereits im Jahre 1133 
jener kostbare Krünungsmantel der deutschen Kaiser, ein voll- 
endetes Meisterwerk der hühern Stickkunst, zu Palermo ange- 
fertigt wurde, der heute noch im Kaisersehatze zu WVien mit 
den andern in Sicilien um diese Zeit gestiekten Reiehskleinodien 
aufbewahrt wird.  
Wenn nun, wie wir oben angedeutet haben, Sicilien und 
das südliche maurische Spanien mit dem übrigen Oriente und 
namentlich mit Byzanz hinsichtlich der kunstgeschickten Anfer- 
tigung kostbarer Stiekereien für den grossen Welthandel schon 
vor dem X. Jahrhundert in Concurrenz stand, so wäre noch 
in Kürze nachzuweisen, wo dann vorzugsweise im christlichen 
Abendlande die Hauptstapelplätze und Niederlagen für kunst- 
 
Da uns, Dank der grossmüthigen kaiserlichen Bewilligung, in Wien die 
Gnade zu Theil wurde, die sämmtlichen daselbst aufbewahrten Kleino- 
dieu der deutschen Kaiser stylgeireu abzeichnen lassen zu dürfen, so sind 
wir in der Lage, in einer nachfolgenden Lieferung dieses Werkes, Wig (las 
das Inhaltsverzeichniss angibt, einen Theil der Kaiser-Ponciücalien mit Beigabe 
einzelner chromolithographischer Illustrationen veröffentlichen zu können 
Eine Prachtausgabe: "Die Geschichte der Kleinodien des h. deutschen 
römischen Reiches" werden wir auf allergnädigsmen Befehl Sr. K. K A 
stolischen Majestät des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich in deriK P12- 
Staatsdruckerei zu Wien in Lieferungen herausgeben; der I. Band er h'_  
nächste Ostern. 5c m"
        

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