Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3461
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frühern Krönungen der ungarischen Könige als Krönungsmantel in 
Gebrauch war. Eine in Gold gestickte Inschrift besagt deutlich, 
dass dieses merkwürdige Gewand als Geschenk von der Hand der 
Königin Gisela, der Gemahlin Stephans des Heiligen, T 1037, her- 
rühre. Dieselbe auffallende Aehnlichkeit hinsichtlich der Compo- 
sition und Technik der in Rede stehenden Stickerei bietet sich 
auch dar mit dem prachtvoll gesticktem "paludamentum impe- 
riale" Kaiser Heinrichs II., des Heiligen, das sich heute noch im 
Domschatze zuBamberg vorfindet. 1) Nicht weniger Schwierigkeiten 
entstehen bei Beantwortung der Frage, 0b die auf Tafel II. dar- 
gestellte Stickerei der Kunst des Occidents oder des Orients zu- 
zuschreiben sei. Die tascetische streng hierarchische Haltung der 
Figuren, die auch nicht das geringste Streben nach Individua- 
lisirung verrath, desgleichen das architektonische Beiwerk scheint 
dafür Zeugniss ablegen zu wollen, dass der Geschicklichkeit der 
Byzantiner dieses Kunstwerk zugeschrieben werden könne. Je- 
doch wäre es auffallend, dass griechische Sticker bei den Na- 
men der Apostel sich lateinischer, und nicht, wie das überall 
vorkommt, griechischer Charaktere bedient haben sollten. Ein 
Ornament, das wir hitufig auf altern maurischen Webereien und 
Stickereien gefunden haben, nämlich das Vorkommen von klei- 
nern Kreuzen in Verbindung mit dem häufig wiederkehrenden 
Halbmonde, die auffallend zahlreich auch an der vorliegenden 
Stickerei zurückkehren, scheint dafür sprechen zu wollen, dass 
das in Rede stehende Kunstwerk der bekannten Kunstgeschick- 
lichkeit der maurischen Sticker in Sieilien seinen Ursprung zu 
verdanken habe, die es liebten, in ihren gesticktem Ornamenten 
zuweilen Christliches und Mohamedanisches zu vermischen. In 
dem vorhergehenden ersten Theile haben wir nachgewiesen, dass 
die Normannen bei ihrer Ankunft auf Sieilien bereits einen An- 
fang der Seidenweberei, namentlich in Palermo im hötel de 
tiraz vorfandenß) Die Weberei aber in kostbaren Seidenstof- 
fen ist mit der Stickerei zu enge verwandt, als dass der Flor 
des einen Kunstzweiges bestehen könnte, ohne auch das Auf- 
Es wurde uns von Aller-höchster Stelle die Erlaubniss zuvorkommend ertheilt, 
behufs einer Publication in einem grössern Werke die genaue Durchpause 
dieser beiden obengenannten, für den geschichtlichen Entwickclungsgang der 
Szickerei äusserst merkwürdigen königlichen Prachtgewänder auf dem Ori- 
ginale selbst vornehmen lassen zu können; der enge Raum im vorliegen- 
den Werke gestattet uns nur, eine kurze Beschreibung dieser beiden, Epoche 
machenden Krönungsmäntel nebst farbiger Darstellung eines kleinen Theiles 
der üguralen Goldstickereien auf Seite III u. IV folgen zu lassen. 
Vgl. I. Lief. 1. Bd. Seite 37.
        

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