Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3443
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in Palermo und Syracus noch Reste der frühmaurischen Fabrika- 
tion und Stickkunst auf Siciliens Boden aus der gedachten Epoche 
ausfindig zu machen. Jedoch alle unsere Nachsuchungen führ- 
ten nur zur Auffindung reicher maurischer Stickereien aus der 
Glanzperiode der Hohenstanffen. Die letzte Hoffnung, den Typus 
der Stickkunst aus den Zeiten des griechischen Exarchates vor 
dem X. Jahrhundert kennen zu lernen, hatten wir gesetzt auf 
einen Besuch in der altehrwürdigen Abtei Monte Casino, der Stif- 
tung des heil. Benedict. Obgleich der päpstliche Biograph Ana- 
stasius an vielen Stellen von den Prachtstickereien" spricht, die 
mehrere Päpste und byzantinische Kaiser der genannten Stiftung 
des heil. Benedict zuerkannt hatten, so fanden wir ungeachtet der 
entgegenkommenden Freundlichkeit und unterstützenden Bcihülfe 
von Seiten des gelehrten Benedictiners Dom Abbate Tosti nicht 
die geringste Spur von Stickereien, die uns über die technische 
Beschaffenheit der Stickereien vor dem X. Jahrhundert einigen Auf- 
schluss hätte geben können. Unsere eigene Sammlung mittel- 
alterlicher Webereien und Stickereien, die heute, dem Katalog 
zufolge, bereits über 1400 Üeberbleibsel zählt, möchte wohl mehrere 
Stickereien aufzuweisen haben, denen man einem gewissen un- 
zuverlässigen Stylgefilhle zufolge eine Entstehungszeit in spät- 
karolingischer Kunstepoche vindiciren könnte. Dahin gehört na- 
mentlich eine sehr merkwürdige Stickerei, wie wir sie an einem 
obscuren Orte in dem alten berühmten Sitze für derartige Stik- 
kereien, in Palermo, käuflich zu erwerben das Glück hatten. 
Es ist das nämlich ein Theil einer "parura", oder aber wie sie 
etwa als „aurifrisia, periclisis" einer Tunieelle, Dalmatik zum aus- 
zeichnenden Schmucke gereichte; vielleicht diente sie auch früher 
als kunstreiches Ornament, um den untern Saum einer Albe ein- 
zufassen. Die beifolgende Zeichnung auf Tafel 11., die ziem- 
lieh getreu im Geiste der alten Originalstickerei wiedergegeben 
ist, zeigt uns den Heiland als Weltenrichter sitzend auf dem 
Throne Seiner Herrlichkeit, umgeben von den symbolischen geflü- 
gelten Darstellungen der Evangelisten, der „facies hominis" 1) und 
der „facies vituli". Zur Rechten dieser „majestas Domini" erblickt 
man in aufrechter Stellung die drei Apostel, die durch zur Seite 
befindliche Inschriften kenntlich gemacht sind, nämlich Philippus, 
Simon, Petrus. Diese Apostelbilder befinden sich unter einer 
dreifachen Arkadenstellung, deren Bogen auf blattförmig gebil- 
ganz, 
Die andere Hälfte fehlt 
die Zeichnung angibt. 
und ist 
VOR 
der 
Stickerei nur 
erhalten, 
W38
        

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