Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3437
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in Gold gestickt, hatte die besagte Fürstin angefertigt; jedoch 
nahm dieselbe die beiden letztgenannten Stickereien Wieder zurück, 
E118 man sieh weigerte, ihr ein Antiphonarium zuzustellen, um 
Welches sie einen der Aebte angegangen hatteß) Sogar scheint 
im heidnischen Norden Deutschlands die Stickerei in Üebung und 
Pflege gewesen Zu Sein; denn es wird erzählt, dass Hengist und 
Horsa bei ihrer Landung in England ein Banner vor sich her- 
tragen liessen, auf Welchem ein weisses Pferd gestickt war. 2) 
Desgleichen besassen die Dänen zur Zeit Alfred's eine ausgezeich- 
nete Fahne, Reafan genannt, auf welcher man einen mit grossem 
Kunstfleisse gestickten Raben sah, die der Geschicklichkeit der 
drei Töchter des Dänen Lodbrog 3) ihre Entstehung zu verdanken 
hatte. Nicht weniger war das Banner HarolcYs II. berühmt, auf 
welchem man die Figur eines kämpfenden Helden gestickt er- 
blickte") So wird auch erzählt, um ein Letztes von kostbar 
gesticktem Stoffen gegen das X. Jahrhundert anzuführen, dass der 
Däne Kanut über dem Grabe Eduard des Bekenners ein kostbares 
Tuch (poele) ausbreiten liess, in welchem kunstreich gestickt 
waren goldene Aepfel, mit Perlen eingefasst. 
Es wird nun am Schlüsse dieser historischen Mittheilungen 
die Frage zur Beantwortung sich ergeben: in welcher Art und 
Weise und in Welcher Technik pfiegte man das karolingische 
Zeitalter hindurch Stickereien für kirchliche Zwecke anzufertigen, 
und wo haben sich nachweislich heute im Occidente solche Sticke- 
reien noch erhalten, die über den Charakter dieses, der Alter- 
thumswissenschaft ziemlich unbekannten Kunstzweiges, Licht ver- 
breiten könnten? Hinsichtlich des letzten Punktes müssen wir 
es offen gestehen, dass sich heute, in soweit sie auf längern 
Reisen uns zur Kenntniss gekommen sind, ausserst Wenige Kunst- 
werke dieser Art anführen liessen, deren karolingisches Alter 
sich, auf sachliche oder documentarische Beweise gestützt, in 
Sicherheit stellen liesse. 
Bei den wenigen Resten, die sich in der bekannten reich 
gefüllten Zitter zu Halberstadt, dessen Hochstift von Karl dem 
Grossen gegründet Wurde, bei unserm längern Aufenthalte da- 
selbst v0rfanden,5) hatten wir unsere Hoffnung darauf gesetzt, 
 
3 
s) 
3 
Ekk. IV. cas. S. Galli etc. 0., apud Goldast. tom. I. pars I. Pag, 31 
Bed. Ven. Hisbor. eccl. gen. Angler. lib. III äp. 11. 
Assert. de Aelfredi Rebus gestis ap. Guiliel. Camden. Angl. Norman. pav 
10. lin. 25. C" 
Will. Malmesln, De Gest. Reg. Augl. lib. III. ap. Savile. pag_ 101 1m 9 
Vgl. die I. Lief. unseres Werkes Seite 55 u. 63.  
        

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