Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3421
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Schwestern, nach einander Vorsteherinnen der gedachten Abtei, 
in dem Rufe standen, eine grosse Geschicklichkeit in Anfertigung 
kunstreicher Handarbeiten zu besitzen. Ein Anonymus des IX. 
Jahrhunderts  weiss noch Vieles zu erzählen von reich gestickten 
kleinern Vorhängen (palliola), die das gedachte heil. Geschwister- 
paar eigenhändig mit einem solchen Reiehthume von Perlen, Edel,- 
steinen und Goldstickereien zu Ehren Gottes und Seiner Heiligen 
ausgestattet hatte, dass diese Meisterwerke, die noch im Kloster 
aufbewahrt wurden, nicht nur hinsichtlich ihrer Composition, son- 
dern auch rücksichtlich der vielgestaltigen Abwechselung in den 
Farben sich vorzüglich auszeichneten. Nicht weniger war 
auch in der vorliegenden Epoche in Deutschland die Kunst des 
freien Handstickens sowohl in den Klöstern als auch an den 
Höfen bei Fürstentöchtern bereits allgemeiner zur Geltung ge- 
kommen. Schon früh zeichnete sich das Kloster St. Gallen aus 
durch seine kunstvollen und kostbaren Webereien und Sticke- 
reien, 1) die daselbst in Menge für religiöse Zwecke angefertigt 
wurden. S0 liess der heil. YViborad, der in St. Gallen im IX. 
Jahrhundert lebte, es sich nicht nehmen, liturgische Bücher, 
die am Altare gebraucht wurden, in kostbar gewirkte Einbände, 
mit Gold und Edelsteinen geschmückt, einzufassen. 3) Diese be- 
rühmte Abtei besass auch, angefertigt von der kunsterfahrenen 
Hand der Richlin, Schwester des Abtes Hartmot, ein geweb- 
tes und gestiektes Hungertuch, das zur Fastenzeit (deswegen 
auch sein Name) über dem Lettner zur Verhüllung des Chores 
ausgebreitet wurde") Desgleichen war auch Hartwiga, Tochter 
des Herzogs Heinrich von Schwaben, sehr darauf bedacht, die 
Sacristei der eben erwähnten Abtei mit reiehgestiekten Messge- 
Wändern und andern von eigener Hand gestickten Ornaten fürst- 
lich auszustatten. Zu den ausgezeichnetsten unter diesen Kunst- 
arbeiten zählte unter Anderm eine Albe, auf welcher die edele 
Stickerin in Goldfäden dargestellt hatte „die Hochzeiten der 
Philologie", d. h. eine allegorische Darstellung der freien Künste, 
wie sie uns Mareianus Capella beschrieben hat. Auch eine Dal- 
matik und Tunicelle für den Diakon und Subdiakon, fast ganz 
1) Vita. S. S. Harlindis et Reinulae abbat. Eikens etc. cap. V. (Acta 
Sanctor. ord. S. Bened. saec. III. pars. 1. pag. 656, 658.) 
2) Monumente. Germ. histor. ed. G H. Pertz. mm. II. pag. 19. 
3) Vita S. Wiborad. (Acta Sanct. ord. S. Bened. pag. 46. Nr. 5.) 
4] „    Hartmodus velum optimum quod adhuc hodie in Quadragesima 41m6 
crucem ex choro appenditur, per manus sororis suae, nomine Richlin cou- 
textum, donavit." Ratperti liber de Origine    Monast. Sri. Galli. 
Cß-p- X. apud Goldast. Alaman. Rer. Script. pars I. pag. 31. lin- 20-
        

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