Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3418
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besass diese reich ausgestattete Kirche der Söhne des heil. Be- 
nedictus schon bereits früher ein reich gesticktes litllfgischeg 
Gewand, ein Geschenk Kaiser KarPs des Kahlen, das (laselbst 
unter dem Namen „orbis terrarum" bekannt und berühmt 
War. i) Auch von der Kaiserin Judith, der Mutter KarPs des 
Kahlen, unterlassen ältere Schriftsteller nicht, anzumerken, dass 
sie in allen Künsten des Stickens ("opere polymitario") wohl 
erfahren gewesen sei. Desgleichen wissen wir, dass die Töchter 
KarYs des Grossen in allen weiblichen Handarbeiten sehr geschickt 
gewesen sind. Zu diesen Arbeiten ist auch gewiss die edele 
Kunst des Stickens zu rechnen, die namentlich um diese Zeit 
an den Höfen der Grossen von zarter Frauenhand im Dienste 
des Altars besonders gepflegt wurde. 2) 
S0 singt auch ein Reimchronist des XIII. Jahrhunderts von 
der Kunstgeschicklichkeit der Töchter des grossen KarPs: 
„Ses iilles {ist bien doctriner  
E; aprendre keudre et filer 
Et. e. ouvrer soie eu taulieles 
Ausi les laides com les bieles 
Pourcou que ne fusent aisenses 
Ne desdegnans ne orgillcusscsf") 
Gehen wir noch weiter zurück, so finden wir schon im VII. 
Jahrhundert die heil. Eustadiola, den gelehrten Angaben der Bol- 
landisten zuiolgeft) im Kloster zu Bourges mit ihren Religiosen 
in voller Thätigkeit, die priesterlichen Gewänder und die Behänge 
der Altäre mit kunstreichen Nadelarbeiten kostbar auszustatten. 
Auch werden von derselben heil. Abtissin bereits grössere ge- 
stiekte Teppiche (tapetia, cortina) zur Ausschmüekung der Wände 
angefertigt. Dieselben Biographen führen weiter an, dass im 
VIII. Jahrhundert zu Valencina, einem belgischen Kloster, Zwei 
noch erhaltene Kaisermantel Heiuriclfs 11., des Heiligen, ("i 1024), im 
Schatze zu Bamberg von dem wir später ausführlicher handeln werden, auf's 
sinnreichste in Gold gestickt mit dem „orbis pictus terrarum", ein seltsames 
Gemisch von christlichen und moslim'sehen Symbolen- 
Helgaldi Florian. mon. Vita. Roberti regis cap. XIV. (Rec. des bist. des 
Gaules etc. tom. X. pag, 104D.) 
Eginhard, der Biograph des grossen Kaisers, beschränkt sich darauf, anm- 
geben: Filias vero canificio assuescere, coloque ac fuso, nc per otium tor- 
perent, opemm inpendere atque ad omnem honestutem erudiri iussit. Vitg, 
Caroli imp. Cap. XIX. 
Chronique rimäe de Phil. Mouskes publ. p. le. bar. de Reiüenberg, mm 1_ 
pag. 118. v. 2850. 
De S. Eustadiola. etc., Nr. 5. (Acta Sanct. Junii. tom. II. pag, 133, 
col. Q. 
        

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