Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3391
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chen Reichthume gewesen, dass man vergeblich ein anderes ähn- 
liches Kunstwerk damals in England hatte suchen können. i) Das- 
selbe führt auch an ein Kirchengesehichtschreiber von Ely hin- 
sichtlich einer äusserst reich gestickten Casel, die vom Erzbi- 
schofe Stigand seiner bischöflichen Kirche geschenkt und von 
Wilhelm dem Bastard derselben entzogen wurde. 2) Zum Zeug- 
niss der grossen Kunstfertigkeit englischer Sticker und Sticke- 
rinnen zur Zeit des angelsächsischen Königs Withlaf von Mereia 
fügen wir schliesslich noch hinzu, dass er durch eine besondere 
Charte der berühmten Abtei von Croyland seinen reich gestick- 
ten Purpurmantel als Geschenk hinterliess, den er am Tage sei- 
ner Krönung getragen hatte. Er verordnete zugleich, dass man 
aus demselben eine Pluviale (cappa) für den Altarsgebrauch her- 
stellen, und dass man ebenfalls dorthin seinen goldenen Schleier 
senden sollte, auf welchem kunstreich gestickt war die Bela- 
gerung Troja's, damit er in der Kirche ausgehängt werden 
möchte am Tage seines Hinscheidensß)  Aeltern angelsächsich- 
normännischen Dichtungen zufolge scheinen die Thaten der Hel- 
den vor Troja oft beliebte Sujets zur Darstellung gestickter 
Scenerieen an kostbaren königlichen Kleidern gewesen zu sein. 
Aehnlich den historischen Kunststickereien auf dem eben ange- 
gebenen "Velum" sah man auch auf den Segeln eines Schiffes 
figurale gestickte Scenen, die uns ein provenzalischer Troubadour 
des Mittelalters beschreibt. Derselbe singt nämlich: 
„Li single furent de soie a or batus, 
Portrais i est, et Castor et Polus, 
Lor suer Elaine et rois Menclaus; 
De Troie i cst li eembiaus ct li hus, 
Comment Ector fu mors et confondus, 
Et Achilles et li rois Patroclus 
EtAntenor et li bar Troilus, 
Comment de Troie fu li murs abatus, 
La citä arse et Ylions fondus    
Et li chevals ens saciäs par les murs, 
Anglia. sacra, tom. I. pag. 607. Cfr. Acta S. Etheldred. apud Bolland, 
Acta Sanctor. Junii. tom. IV. pag. 529. col. II. 
Hist. E1. lib. II. cap. XLI. "ap. Gale, tom. III. pag. 514, 
"Oifero etiam secretario dicti monasterii     chlamydem coccineam qm 
indutus eram in coronatione mea, ad capam sive casulam faciendam in; 
velum meum aureum, quo insuimr excidium Trojae, in anniversaxjio  
in parietibns suspendendum." Charta. Witlaf. Mercior. regi; Pro mohajstl 
Croyland. in Ingulphi Hist. 
        

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