Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3382
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sticken Wünschte, und dass Dunstan, damals noch im jugend- 
lichen Alter, es gern übernahm, eine Zeichnung dazu zu ent- 
werfen. Die Zeichnung des Heiligen wurde darauf in kunstreich- 
ster Weise in Goldfäden und mit Perlen von der kunstgeübten 
Stickerin ausgeführt. 1) WVie man heute noch in Mainz das Mess- 
gewand des heil. Willigis, in Brauweiler, Aachen und Xanten 
Messgewänder vom h. Bernard, und in Köln und Deutz merk- 
würdige Caseln vom heil. Heribert und Albertus Magnus be- 
wahrtß) so besass das ehemals katholische England in dem rei- 
chen Sohatze seiner Westminster-Abtei eine merkwürdige Casel, 
deren sich der heil. Dnnstan bei der Feier des heil. Messopfers 
häufig bedient hatte. 3) Auch diese zeigte ohne Zweifel kunst- 
reiche Stickereien. 
Gegen das X. Jahrhundert hatte die Stickkunst in England 
bereits solche Fortschritte gemacht, dass man in grössern Vor- 
hängen und Teppichen umfangreiche Scenerieen mit vielen Fi- 
guren zur Anschauung brachte. Entweder waren die bildlichen 
Darstellungen in diesen Tapisserieen kunstreiche WVirkereien, aus- 
geführt auf kleinern Wvebestühlen (faites au metier) oder, was uns 
wahrscheinlicher vorkommt, durch die fieissige Hand von Kunst- 
stickerinnen angefertigt, Welche die grössern Arbeiten mit der Nadel 
zu erzielen Wussten. Angelsächsische Geschichtschreiber dieser 
Zeit führen an, dass Aedelfled, WVittwe des Herzogs Brithnod von 
Northumberland, der Kirche zu Ely einen reichen Vorhang ver- 
ehrte, auf Welchem die Thaten ihres Mannes durch die Kunst 
des Stickens bildlich verherrlicht waren. 4) In derselben angel- 
sächsischen Epoche glänzte auch Algiva oder Emma, die Frau 
des Canut, über alle andern Frauen Englands hervor hinsichtlich 
der Geschicklichkeit, Womit sie die Kunst der freien Nadelarbeit 
übte. So finden wir in dem Geschichtswerke .,Anglia sacra" 
die Angabe, dass diese Königin Altarvorhänge eigenhändig mit 
reich gesticktem "aurifrisiae" ausschnfückte; desgleichen habe sie es 
verstanden, diese Altarbekleidungcn mit Gold, Perlen und kost- 
baren Steinen so reich auszustatten, dass sie sich zu einem Bilde 
gestalteten. Diese so erzielten Bildwerke seien von einem sol- 
Anglia sacra, pars II. pag. 94; Acta Sanctor. ord. S. Bened., Saec. V. 
pag. 663. Nr. 10. 
Wir werden in einer spätem Lieferung die Beschreibung und Zeichnung 
derselben mittheilen. 
Acta Sanctor. ord. S. Benei, saec. V. pag. 712. Nr. 28. 
Th. Gale, Hier. Britann. Saxo Anglo-Dan. Script. XV. tom. III. pag. 
494, 495.
        

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