Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3356
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landes angefertigt worden, so würden zweifelsohne dieselben sich 
der lateinischen Sprache und nicht der fremden griechischen be- 
hufs der Inschriften bedient haben. Politische und religiöse 
Streitigkeiten, namentlich in den spätern Zeiten der Bilderstür- 
mer, veranlassten bekanntlich griechische ßopifices", die in ver- 
schiedenartiger Technik die bildenden Künste in Pfiege hatten, nach 
Ablauf der Strömungen der Völkerwanderung in jenen Theilen 
Italiens für ihre Kunstthätigkeit Obdach und Unterstützung zu 
suchen, wo noch ein Schein der oströmischen'Kaiserherrschaft 
sich erhalten hatte. So kommt es, dass gegen das VI. und VII- 
Jahrhundert in jenen Districten Italiens, die unter der Bezeich- 
nung von "themata" noch in loser Verbindung mit Byzanz stan- 
den, eine Menge von eingewanderten griechischen Künstlern ihr 
friedliches Kunsthandwerk betrieben, und dass von diesen grie- 
chischen Kunsstickern in Italien, dem Grossgriechenland, eine Menge 
kostbarer Nadelmalereien zu Cultzwecken angefertigt wurden, die 
vollständig im Typus der griechischen hierarchisch geregelten 
Kunstweise angefertigt waren; auch mochte es bei diesen Ar- 
beiten hin und wieder vorgekommen sein, dass solche grie- 
chische Kunststickereien, angefertigt auf italischem Boden, mit 
lateinischen Insehriften und nicht mit griechischen bestickt Waren. 
Da unseres WVissens jetzt keine gesticktem Üeberreste M18 
dieser frühen Kunstepoche mehr erhalten sind, die 11119 Über die 
Technik, Farbenwahl und den angewandten Schmuck von Per- 
len und Edelsteinen, wenn auch nur in bildlicher Veranschau- 
lichung, Aufschluss geben könnten, so mag das im Vorhergehen- 
den Gesagte genügen, um in Worten, ohne Hinzufügung einer 
erläuternden Abbildung, jene interessante Epoche der kirchlichen 
Stickkunst zu kennzeichnen, in welcher die manuelle Geschick- 
lichkeit der Byzantiner die aus der klassischen Zeit überkommene 
Kunst des freien Handstickens in christlichem Geiste weiter zu 
entwickeln bestrebt war. Im Folgenden wollen wir es versuchen, 
die Bezeichnungen festzustellen, wie man in dem vorkarolingi- 
Sehen Zeitalter die aus dem Oriente ererbten „phrygischen Na- 
delarbeiten" zu benennen pflegte. Es treten nach Ablauf der 
Vülkerzfige bei den Schriftstellern der damaligen verdorbenen Lati- 
nität mehrere neuere „termini technici" auf, die zur Bezeichnung 
der Stickereien zur römischen Caesarenzeit nicht so sehr in Anwen- 
(lung kamen. Was die Griechen „rrin.ozxtlrliu, notztlfrx" bezeichneten, 
das nennen die Lateiner um diese Zeit häufig die „ars plumaria", 
und werden gemeinhin diejenigen, die der alten Kunst des Stik- 
kens oblagen, "plumarii" (notzulrai, brodeurs) genannt. Will. 
Liturgische Gewänder. 10
        

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