Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3344
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nach dem neu errichteten Kaiserthrone von Byzanz verlegten, der 
begonnen hatte, sich mit einem orientalischen Luxus und Schim- 
mer zu umgeben. Namentlich hatte sich alle höhere Kunstübung 
in Byzanz concentrirt, als mit dem V. Jahrhundert unaufhaltsam 
die Ströme der Völkerwanderung sich über Italien ergossen hat- 
ten, und so unter dem Geräusch der Waften die letzten Remi- 
niscenzen des weströmischen Kaiserthums und mit ihm auch jede 
selbstständige Uebung und Entwickelung der Kunst auf mehrere 
Jahrhunderte zu Grabe getragen wurden. So kann es also nicht 
Wunder nehmen, dass namentlich seit den Zeiten des Kaisers 
Justinian, unter dem auch, wie wir früher gesehen haben, die 
Manufactur von Seidenstoffen in Byzanz ihren Aufschwung nahm, 
auch die kunstreichen Stickereien zu liturgischen Prachtgewäu- 
dern auf Handelswegen von Byzanz nach Italien gebracht wurden 
und von dort aus ihre Verbreitung im übrigen christlichen Abend- 
landc fanden. WVir tragen die feste Ueberzeugung, dass die mei- 
sten jener kostbaren kirchlichen Ornamente, die der oft citirte 
päpstliche Biograph Anastasius als Geschenke der Päpste seines 
Zeitalters an verschiedene Kirchen Ronfs und Italiens mit ängst- 
licher Genauigkeit erwähnt, Erzeugnisse des Fleisses und der 
Geschicklichkeit jener byzantinischen Kunststicker waren, die für 
den grossen Welthandel die reichen Stoffe des „purpur imperia- 
lis", des „blathin byzantea", des "oloveron", des udiapistin", des 
„tria contesimum", durch das „opus plumarium" noch kunstrei- 
cher auszuschmücken suchten. So liebte es die griechische Kunst, 
auf reichern Altarvorhängen Medaillons anzubringen, die auf Gold 
gestickt, verschiedene religiöse Darstellungen erkennen liessen. 
Von solchen tabulae acu pictiles, sammtlich fast griechische Kunst- 
stickereien auf drap d'or, weiss uns der ebengedaehte römische 
Autor Vieles zu erzählen. 1) Ein anderer Grund, woraus ge- 
folgert werden kann, dass in jener Kunstepoche, die unmittel- 
bar dem Zeitalter der Wiölkerwanderung folgte, die gewerbthatigen 
und fleissigen Griechen am Hellespont Aufertiger kunstreicher 
Stickereien für liturgischen und profanen Gebrauch Waren, lässt 
sich daraus herleiten, dass die meisten bildlichen Darstellungen, 
wovon ältere Schriftsteller beschreibend berichten, mit Iuschriften 
in griechischen Charakteren sehr häufig bestickt waren. WVärcn 
die bildlichen Scenerieen, welche durch die gestickten Inschrif- 
ten näher erklärt wurden, von lateinischen Künstlern des Abend- 
L 
Anastasius Bihliothecarius, 
col. 2, E.) 
(R811 
Ical. 
Scripß, tom. III. 
Pag. 
238.
        

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