Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3336
 
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Derselbe Schriftsteller erzählt uns auch vom heil. Maxiinian, 
dem 24. Ravennatischen Erzbischofe, Folgendes: „Derselbe liess 
auch einen andern Altarbehang von Gold anfertigen, Worin im 
Bilde alle seine Vorgänger wiedergegeben waren, und er liess aus 
gezogenen Goldfäden die Bilder derselben ausführen. Und des- 
gleichen machte er auch einen dritten und vierten Vorhang mit 
eingestickten Perlen, auf welchem man liesft die WVorte: ,Parce 
Domine, populo tuo et memento mei peccatoris, quem de stercore 
exaltasti in regno tuof" Von allen diesen kostbaren Stickereien 
in Gold, Seide und Edelsteinen für kirchlichen Gebrauch von dem 
I. bis zum VI. Jahrhundert hat sich trotz unserer sorgfältig- 
sten Nachforschung bis zur Stunde nicht die geringste Spur 
mehr auffinden lassen, und scheinen die letzten Reste ähnlicher 
Kunstwerke in Italien, Deutschland und Frankreich vollends in 
dem Strudel der Revolution zu Anfang unseres aufgeklärten Jahr- 
hunderts unwiederbringlich untergegangen zu sein. 
So hatte sich aus der eben gedachten sehr fernliegenden Epoche 
bis zum Schlusse des vorigen Jahrhunderts noch erhalten ein höchst 
merkwürdiges Messgewand, das in der oben angegebenen WVeise 
durch kunstreiche Nadelarbeiten prachtvoll ausgestattet war. Das- 
selbe befand sich in der berühmten Kirche von „St. Appollinaris 
in classe" in Ravenna und erschien gegen Mitte des vorigen Jahr- 
hunderts darüber noch eine gelehrte Monographie. 1) 
Es kann nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, wer von 
dem Zeitalter Constantilfs des Grossen bis zu den fränkischen 
Zeiten hauptsächlich die Anfertiger der oft so reich gesticktem 
Gewänder gewesen sind, deren man sich bei der Feier des heil. 
Opfers in frühchristlicher Zeit bediente. Schon die Namen sol- 
cher Stoffe und Stickereien besagen, dass sie der kunstgeübten 
Hand der Griechen in Byzanz gIrossentheils ihr Entstehen zu ver- 
danken hatten. So ist es als bekannt vorauszusetzen, dass mit der 
Theilung des römischen Reiches, durch Verlegung des oströmischen 
Kaiserthumes nach Byzanz auch jene Kleinkünste, die vorzüglich 
eine manuelle Geschicklichkeit erforderten, ihren Sitz von Italien 
ipsius Maximiani effigies in duobus locis praeclare factae sunt, 11113 major, 
et altem minor, sed nulla inter majorem et. minorem distantia est. In m1, 
nore habet. literas exaratas, contiuentes ita: ,Magniiicate Dominum mecum, 
qui me de stercore exaltavitf" Vita. S. Maximiani, cap. VI. in Agneni 
Lib. Pontif. pars II. (Rer. Ital. Scriph, tom. II. pars I. pag [Q8 COL 
I.  Cfr. Acta Sanctor. Februarii tom. III, pag. 297. col. I. A. 
Mauri Sart.   de veteri Casula. diptycha. Dissertatio. Faventiae, apud J0_ 
sephum Antonium Archium, A. Rep. Sal. 1753. in 4.
        

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