Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3326
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Scenerieen, dem Anastasius Bibliotheearius an vielen Stellen seiner 
„Vita Romanorum pontifieum" zufolge, in kunstvoller Technik zur 
Darstellung gebracht, nicht nur die Hauptmomente aus dem Le- 
ben und dem Leiden unseres Heilandes, sondern auch aus dem 
Leben und den Thaten von heil. Martyrern, Bekennern und J ung- 
frauen. Auch sogar die Hauptbegebenheiten aus der Geschichte 
des Alten Tcstamentes in zierlichen Nadelwirkereien von Gold 
mit Perlen eingefasst, gehörten an kirchlichen Ornamenten der 
vorkarolingisehen Zeit nicht zur Seltenheit. 1) WVenn auch die 
Kunst des lrVebens durch griechischen Kunstfieiss und Geschick- 
lichkeit bereits im V. und VI. Jahrhundert eine solche Vervoll- 
kommnung erfahren hatte, dass man schon in dieser Zeit anfing, 
auch in der Weberei iigürlich scenerirte Darstellungen in Gold 
und einzelnen Farbentönen zu erzielen, T) so geht doch aus der 
detaillirten Beschreibung bei Anastasius, der mit bekannter Ge- 
nauigkeit nicht nur die dargestellten eingewirkten Gegenstände 
aufzuzählen nicht unterlässt, sondern zuweilen auch in technischer 
Beziehung bemerkenswerthe Winke gibt, zur Genüge hervor, dass 
die meisten scenerirten Darstellungen an den kirchlichen Pracht: 
gewändern zumal des VI. und VII. Jahrhunderts nicht ein „opus 
textile", sondern vorzugsweise ein „opus acu pictum" waren, Eine 
solche Annahme scheint uns mit Recht hergeleitet werden zu kün- 
nen aus dem Vorkommen so vieler eingewirkten Portraits hervor- 
ragender Bischöfe, die entweder ihr Bild mit möglicher Natur- 
wahrhcit in reichern Festornaten anbringen liessen oder das 
ihrer Vorgänger. S0 erzählt uns ein alter Schriftsteller in der 
Lebensgeschichte des heil. Maximianus, dass die Kirche des heil. 
Stephanus in Ravenna in Stickereien auf den Vorhängen eines 
Ciborien-Altares (tetravela, ävdvnj) das Portrait bewahrte des 
25. Bischofes dieser Stadt, des heil. Victor, so wie auch das ge- 
stickte Portrait seines Vorgängers, des heil. lNIaximianus, gestor- 
ben im Jahre 552. Auf denselben Altarbehängen waren auch, 
dem nämlichen Geschichtschreiber zufolge, gestickt ("aculis facta") 
der Heiland, wie er die verschiedenen Wunderwerke verrichtet. 3) 
 
Söroux-düägincourt. tome I. page Ö. 
Vgl. unsere desfallsigcn Angaben in der I. Lieferung des vorliegenden 
Werkes von S. 16-18. 
"Jussit ipse endothim byssinam pretiosissimam, cui similem nunquam videre 
potuimus, aculis factam, omnem Salvatoris nostri historiam continentem. In 
sancto die Epiphaniac super alcarium Ursiauae eeclesiae ponitur, sed D011 
totam eomplevit. Successor ipsius explevit unam partexn. Quis similem vi- 
dere potuit? Non potest aliter aestimare ipsas imagines, aul: bestias, aut 
volucres, quae ibi factae sunt, nisi quod in carne omnes vivae Silli- E5
        

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