Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3316
135 
kleidungen obrigkeitlicher Personen, sondern auch bei reichen 
Privatleuten häufig in Anwendung kam. S0 waren zweifelsohne 
an den höhern kirchlichen Festen die Saume der Gewänder, deren 
sich die ersten Christen bei der Feier des eucharistisehen Mahles 
bedienten, mit gestickten Ornamenten besetzt, namentlich bot der 
nach vorn offene Rand eines frühchristlichen faltenreichen Gewandes, 
das man Hstola" oder „orarium" nannte, eine geeignete Stelle, um ge- 
stickte Ornamente daselbst anzubringen. Diejenigen, die den merk- 
würdigen Visionen der Catharina Emmerich einige Beachtung 
schenken, verweisen wir hinsichtlich der Stickereien des apostolischen 
Zeitalters auf die Gewänder 1) der Apostel, der drei Könige, der heil. 
Jungfrau, die auf eine höchst eigenthümliche Weise nicht im Wider- 
spruchc mit dem Costüm der damaligen Zeit beschrieben werden. 
Das aber lässt sich mit Grund annehmen, dass die Stiekkunst an den 
priesterlichen Gewändern der alten Kirche umfangreicher in Anwen- 
dung gekommen ist seitjener Zeit, als mit Constantin d. Gr. das Chri- 
stenthum zur Staatsreligion (iffentlich erklärt wurde und der Got- 
tesdienst von jetzt ab feierlicher und mit grösserm Glanze began- 
gen Werden durftß- Auch wurde gewiss mehr Sorgfalt auf die 
decorative Ausstattung der Cultgewänder verwandt seit jener Zeit, 
wo Amalarius Fortunatus zufolge Papst Stephan die Verordnung 
erlassen hatte, dass die Priester und Leviten sich nicht der heili- 
gen Gewänder bei dem gewöhnlichen täglichen profanen Gebrauche 
bedienen durften. 2) 
Es wurde uns zu weit führen, wenn wir hier in langer Reihe 
namhaft machen wollten alle jene kunstreichen kirchlichen Sticke- 
reien, die vom IV. Jahrhundert an bis zur Zeit der Karolinger von 
einzelnen Papsten und von gebefreudigen byzantinischen Kaisern 
grössern hervorragenden Kirchen Rom's und Italiens zum Ge- 
schenke gemacht worden sind. Man vergleiche hierüber das vor- 
treffliche Werk von Seroux-dügincourt. 3) Beim flüchtigen Durch- 
lesen dieser Angaben wundert man sich über den figuralen und 
ornarnentalen Rcichthum, den die Kunst der frühchristlichen Zeit 
bei Ausstattung der priesterlichen Gewänder und der reichen sei- 
denen Behänge und Wandbekleidungen durch die geschickte Hand 
der „pbrygiones, brambaricarii" auf die manehfaltigste und gross- 
artigste Weise anzubringen gewusst hatte. Hier waren in reichen 
ä) Vgl. Brentano, Leben der heil. Jungfrau Maria, München 1852. Seite 343 
) Amalarius Fortunatus, lib. II. cap. XVII. nstephanus natißne Romans e); 
ateJhZ mit'm     
ädiäno 310:! 53:1: 111 sacerdonbus, levxtxsque vesnbus sacratms m usu qm). 
3) Säroux-afAgincourt, Histoire de Part pur les monuments, tomeI. pag 98 102
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.