Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3306
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Inventar der Schätze und Kostbarkeiten in Gold und Silber von 
Philipp dem Guten von Burgund ebenfalls Erwähnung geschieht 
eines Altarvorhanges, dessen reiche Stickereien von der Hand der 
heil. Helena herrühren sollten. Die Stelle lautet nämlich: „Riche 
et ancienne table d'autcl de brodeure, que on dit que la premiere 
emperreriz chrestienne fist." 1) 
 Es wäre hier nun wohl am Orte, die Frage aufzuwerfen, in 
welcher Art und WVeise und in welchem Umfange man in den 
ersten Jahrhunderten der Christenheit die Stickerei zur Aus- 
schmüekung der Cultgewänder in Anwendung gebracht habe? 
Um diese interessante Frage eingehender beantworten zu können, 
fehlen leider bei altern Autoren jegliche Angaben; am meisten 
könnten die noch erhaltenen Monumente der frühchristlichen 
Malerei, wie sie uns bewahrt sind in musivischen Darstellungen 
in den Chorschlüssen der altern Basiliken der frühchristlichen Zeit, 
so wie die vielen merkwürdigen gemalten ligürlichenDarstellungen 
der Katakomben uns hierüber einige entferntere Aufschlüsse er- 
theilenß) Wie wir das in einer spatern Lieferung ausführlicher 
entwickeln werden, waren die Cultgewander, den gelehrten Ab- 
handlungen des Cardinals Bona und andern Liturgikern zufolge, 
noch nicht in einer Weise entwickelt, dass sie als ein besonderer 
für sich abgeschlossener Cultornat betrachtet werden konnten, 
sondern man bediente sich in jener Zeit der Verfolgung und 
Kämpfe des apostolischen Zeitalters jener Gewänder zur Feier 
der heiligen Geheimnisse, die sich durch besondere Reinlichkeit 
und Feinheit der Stoffe von jenen Feier- und Ehrenkleidern un- 
terschieden, wie sie bei Senatoren und Magistratspersonen im Ge- 
brauche waren. 3) Dass einzelne besonders hervorragende Theile 
diese: altern Cultgewänder der ersten christlichen Jahrhunderte 
durch phrygische Arbeiten hin und wieder verziert und ausge- 
schmückt waren, unterliegt keinem Zweifel, zumal, wie wir oben 
gesehen haben, die Stickerei in der Caesarenzeit eine solche Höhe 
der technischen Vollendung erreicht hatte und nicht nur bei den Be- 
Voyez, les Duos de Bourgogne, II. part., torne II. page 243 N0. 4092. 
Die trefllichen Original-Copien frühchristlieher Malereien, die Conservator 
Ramboux auf seinen langen Reisen in Italien in den ältern Basiliken da- 
selbst nach den merkwürdigsten musivischen Darstellungen angefertigt hat, geben 
vielfachen Aufschluss, nicht nur wie die frühesten liturgischen Gewänder 
beschaffen, sondern wie sie auch an einzelnen Theilen durch Stickereien 
verziert waren. Diese reichhaltige, höchst lehrreiche Sammlung ist jetzt 
Eigcnthum der Stadt Düsseldorf; ihre Benutzung scheint aber bis jetzt 
leider eine sehr beschränkte geblieben zu sein. 
Dieser Ansicht püichtet auch bei Baronius, Annal. tom. II.
        

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