Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3296
 
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stenthume Bekehrten, wie es scheint, gemeinsam war, mit denen, 
welche noch der alten Götterlehre huldigten, gab den strengern 
Vorstehern und Kirchenlehrern der ersten Jahrhunderte vielfache 
Veranlassung, Öffentlich in Vorträgen, Unterweisungen und Schrif- 
ten gegen dieses übertriebene Nachäffen der heidnischen Kleider- 
praeht und des Pompes, manchmal in schonungsloser Weise, an- 
zugehen. 1) Auch der grosse Kirchenlehrer Hieronymus eifert 
mit Recht gegen die verschwendcrische und luxuriöse Anwendung 
der Stickereien, wie sie an den Profangewändern seiner Zeit bei 
den Christen, nachahmend ihre heidnischen Vorfahren, im Schwunge 
waren. Dieser Kirchenlehrer spricht in seinen Homilien auch von 
den gemalten Teppichen, Y) desgleichen von der babylonischen 
Kunst, worunter jedenfalls gestickte Scenerieen zu verstehen sind. 
Er sagt nämlich in einem seiner Briefe: "Pro gcmmis et serico 
divinos eodices amet, in quibus non auri et pellis Babylonicae 
vermiculata pictura." 3) Dass die fromme Mutter des ersten christ- 
lichen Kaisers Constantin auch die Stickereien für höhere Cult- 
Zwecke geliebt und in Anwendung gebracht habe, ist bei ihrer 
grossen Vorliebe für die Würde kund den Schmuck der Tempel 
sehr wahrscheinlich. Sich darauf stützend, kommen hin und wie- 
der Angaben von gestickten Kunstwerken vor, die, von der Hand 
der heil. Helena herrührend, sich bis heute noch erhalten haben 
sollen. So rühmt die Stadt Vereelli noch bis zum heutigen Tage 
sich des Besitzes einer gestickten Madonna, deren Incarnations- 
theile jedoch in Oel gemalt sind, die der frommen Kunstgeschiek- 
liehkeit der Mutter des Kaisers Constantin ihr Entstehen zu ver- 
danken haben sollft) Leider wussten wir bei unserm kurzen 
Aufenthalte in Vercelli nicht das mindeste über das Vorkommen 
einer solchen höchst merkwürdigen Stickerei. Indessen Steht die 
Richtigkeit obiger Angabe aus dem Grunde schon sehr zu be- 
zweifeln, da hinzugefügt ist, dass Gesicht und Hände in Oel ge- 
malt seien, ein Pigment, dessen Anwendung einer viel jüngern 
Epoche angehört. Merkwürdig ist es, dass auch in einem alten 
1) Vgl. Johannes Chrysostomus in seiner 50. Homilie über die Evangelien 
des h. Matthäus. Edidit Gauur, tom. VII. pag. 573 D. und ferner; B_ 
Theodoreti    Oper. tom. IV. Lut. Paris. sumpt. Sebest. Cramoisy etc 
A MDCXLII. in fol. pag. 361 B.  
 Epist. LIV. (a1. XXXVL) S. Hieran. ad Pammach. script. ann, 398 
(S. E. Hieran. Oper. tom. IV. pars alt. Paris MDCCVI. pam 585)  
3) Ep. LVII. (a1. VII.) ad Laetam de insticutione filiae, seripä ann  393 
vel circiter.  
q) Des ori ines traditionelles de 1a. einture    
Paulin, g18-l0. in-BO. Page 53, enp note. en habe, Par Louis vlardoth Paris.
        

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