Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3287
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DIE 
STICKEREI 
IM 
DIENSTE 
DES 
ALTARS 
VON 
DER 
APOSTOLISCHEN 
BIS 
ZEIT 
ZUM JAHRE 1000. 
(FRUEHROMANISCHE 
KUNSTEPOOHE.) 
Aus dem Vorhergehenden mag zur Genüge erhellen, in wie 
grossem Umfange man schon im klassischen Alterthuine sich rei- 
cher Stoffe bediente, die durch Nadelwirkereien kunstvoll ausge- 
stattet waren, desgleichen welchen hohen Grad von Vervollkomm- 
nung auch in technischer Beziehung die Kunst des freien Hand- 
stickens, namentlich im Zeitalter der Caesaren erreicht hatte. WVie 
überhaupt die erste auflebende Kunst des Christenthums auf der 
gegebenen Grundlage der heidnischen Kunst,  vielfach auf den 
Ruinen derselben basirt war, so kann dasselbe auch mit vollem 
Rechte von der Stickkunst zu kirchlichen und profanen Zwecken 
in den frühesten christlichen Zeiten behauptet werden. Unter 
Oberleitung der Architektur hatte der Luxus der Kaiser und 
ihres Hofes die Malerei, Sculptur und die übrigen bildenden 
Künste in Sold genommen, und lässt es sich nicht in Abrede 
stellen, dass alle Detailkünstc, die eine manuelle Fertigkeit erfor- 
derten, bei der Genusssucht der damaligen verdorbenen vorneh- 
men Welt einen hohen Grad der technischen Vollendung erreicht 
hatten. Dasselbe kann auch von der Entwickelung und Vervoll- 
kommnung der Stickkunst mit Fug angenommen werden, sogar in 
jener Zeit, als das im Verborgenen aufblühende Christenthum diesen 
Kunstzweig zu seinen religiösen und profanen Zwecken von dem 
bereits in Auflösung übergehenden Heidenthume übernahm. Dass 
das Christenthum sich bereits in den drei ersten Jahrhunderten 
sogar zur Ausstattung seiner Profangewänder der „phrygisehen 
Arbeiten" im grossartigen Umfange bediente, geht aus einer Stelle 
eines altern griechischen Schriftstellers, des heil. Asterius hervor, 1) 
der in seinen „Orationes et Homiliae . . De Divite et Lazaro" 
anführt, dass die Toga eines christlichen Senators 'zuweilen mit 
600 Figuren und bildlichen Darstellungen ausgeschmückt gewesen 
sei. Die Kunst der "Phrygiones" damaliger Zeit hatte in diesem 
reichen Gewande bildlich darzustellen gewusst alle Hauptmomente 
aus dem Leben des Heilandes: die Hochzeit zu Cana, die Auf- 
erweckung des Lazarus und die übrigen Wunder, welche der 
Herr gewirkt hatte. Die Vorliebe für reich gestiekte Stoffe und 
Feierkleider, die in den ersten drei Jahrhunderten den zum Chri- 
1) S. P. Astcrii    Orationes et homiliae    opcra ac studio R. P. Fr- 
Francisci Combesis etc. Parisiis, sumpt. Ant. Bertier MDCXLVIII. in fol. 
tom. I, pag. 3 D.
        

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