Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3234
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auch das alte Rom bis spät in die Kaiserzeit seine reichgestickten 
Stoffe meistens von der kleinasiatischen Küste bezog, in Italien 
gestickte Seidenstoife unter dem Namen "pallia Phrygia" bekannt. 
Weil aber die Kunst des Stickens im Alterthume meistens von 
Männern geübt wurde, so nannte man den, der sich mit diesem 
Kunstzweige beschäftigte, einen "phrygio." Deswegen kommt 
auch häufiger bei Plinius und Andern die adjectivische Bezeich- 
nung phrygioniae oder phrygionae (vestes) vor. 1) Aber Phrygien 
lag im Auslande, deswegen galt auch den Römern die Bezeichnung 
„0pera Phrygia" identisch mit „opera barbaria". Bei einigen 
altern Schriftstellern werden die "phrygiones" deswegen auch ge- 
nannt ßbarbaricarii", und daraus scheint sich in der verdorbenen 
Latinität des vorkarolingischen Zeitalters gebildet zu haben der 
Ausdruck für Sticker "brambaricarii", 2) gleichbedeutend mit dem 
französichen "brodeurs". Auch Lucretius und Prudentius sprechen 
von gestrickten kostbaren Stoffen, und nennt der erstere sie „bar- 
baricae vestes", der andere "barbarici sinus".  Dem Martial 
und Plinius zufolge waren ebenfalls die Babylonier sehr geschickt 
in Anfertigung reich gestickter Zeuge, und kosteten derartige baby- 
lonische Luxusstoffe, für die damaligen Zeiten, oft immense Sum- 
men. Ferner soll bereits im hohen Alterthume eine Stadt im süd- 
liehen Gallien, Aix in der römischen „Provincia", eine Art und 
Weise gekannt haben, gewebte Zeuge durch Stickereien zu ver- 
zieren, und sollen diese gestickten Stoffe schon frühzeitig grosse 
Berühmtheit erlangt haben. 4) 
Im Strome der Zeiten sind alle jene kostbar gesticktem 
Steife der heidnischen Vorzeit verloren gegangen. Nicht (1118 
kleinste Ueberbleibsel des gedachten, im Alterthume so vielfach ge- 
übten Kunstzweiges ist auf unsere Tage gekommen, das uns 
Kunde geben könnte, wie die Muster waren, die man 1n vor- 
christlicher Zeit zur reichern Ausstattung der profanen und Teli- 
giüsen Prachtgewänder anwandte, und wie die Technik besßhaffßn 
war, in welcher man solche kostbarere Stickereien auszuführen 
L 
Plin. hist. nat. lib. VIII. cap. LXXIV. und Sen., de Ben.. lib. I. capju 
Ob mit dem Ausdrucke xbrambavicarius", der sich häufiger in ältern Ur. 
kunden vorfinden, auch unsere alndeutsche Benennung „verbrämen, Verbrü- 
mung" zusammcnhäuge, das zu bestimmen, wollen wir vorerst noch den Egy- 
mologen überlassen. 
A. Prudent. Apoth., v. 211 und T. Lucret., Oar. de Rer. Nat. lib II 
v. 500.   
Histoire du commerce ez de 1a navigation des anciens, 
plain, 1768. iu-S". chap. XXXK. Nr. 8. page 199. 
Huet. 
Ly 9712
        

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