Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3221
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thum auch nicht in Farben bemalter Gewänder bedient habe, 
Wollen wir im Vorbeigehen dahin bejahend beantworten, dass man 
auch sogar in der Imperatorenzeit sich zu Bekleidungsstilcken 
reicher Stoffe bediente, in welche mit vegetabilisehen Farben 
Muster eingemalt waren. So lesen wir bei ältern Schriftstellern, 
dass die Gallier es liebten, ihre Kleider zu bemalen. Bis in's 
Mittelalter hinein pflegte man einfache Seidenstoffe in Taffet mit 
Dessins durch Malereien in leichten Farben zu verzieren.  Der 
bei alten Schriftstellern so oft vorkommende Ausdruck „pieta" 
kann also, wie aus Vorhergehendem zu ersehen ist, nicht nur auf 
gestickte Qrnamente, sondern auch auf eingewebte Dessins, ja so- 
gar, dem Letztgesagten zufolge, auch auf gemalte Muster in leich- 
ten Seidenstoffen bezogen werden. 
Eine andere nicht uninteressante Voruntersuchung bestände 
darin, die Ausdrücke und Bezeichnungen festzustellen, wie man 
im Alterthume und im Mittelalter die verschiedenartige Kunst- 
weise benannt habe, die unsere Vorfahren zur Ausschmückung 
der Cultgewänder mit so grossartigem Erfolge angewandt haben. 
Die Könige Asiens und des fernen Ostens, die den Römern 
.,barbari" Waren, erscheinen den altern Dichtern zufolge meistens 
angethan mit reich gestickten Gewändern, und lässt es sich schon 
daraus entnehmen, dass die Kunst des Stickens bereits im grauen 
Alterthume bei den kleinasiatischen Völkern, den Babyloniern, 
Persern, Indiern eine sehr geübte war. Und weil nun diese Kunst 
des Stickens bei den prachtliebenden orientalischen Nationen, wo ja 
auch die Seide gewonnen wurde, sehr im Schwunge war und von 
dort her den Römern bekannt wurde, so benannte man alle kunst- 
reiche Nadelarbeiten mit dem Gesammtausdrucke „opera barbarica, 
vestes barbarieaetü?) Vorzüglich aber schrieb man einem Volke 
Kleinasiens, den Phrygiern, und insbesondere deren Könige At- 
talus die erste Erfindung zu, mit freier Hand auf gewebten Stoffen 
kunstreiehe Nadelarbeiten auszuführen, und waren daher, weil 
Unsere Sammlung weist aus dem XII. Jahrhundert mehrere solcher leich- 
ten SeidenstoHe nach, die mit eingemalten remanisehen Dessins verziert sind; 
auch Seidenatlas liebte man um diese Zeit mit gemalten Mustern zu ver- 
zieren. Bereits im XIII. Jahrhundert, mehr aber noch im XIV. und 
XV. führte die Vorliebe für Farben und Formen zu der Erfindung, vermit- 
tels beweglieher geschnittener Holzformen auch Stoffe von Leinen mit farbi- 
gen Mustern kunstreieh auszustatten, und werden wir nicht unterlassen, an 
geeigneter Stelle solche mit kleinern Handpressen bedruckte Leinenstoffe, die 
man in der Kirche oft als Futterzeuge (subduetura) benutzte, in Abbildung 
mitzutheilen. 
Aen. lib. XL, v. 769, 778.
        

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