Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3213
 
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Ferner spricht Virgil von reich gestickten Pferdedecken und 
gebraucht dafür den Ausdruck "pictus", wobei man nicht so Sehr 
an eine Malerei mit dem Pinsel, als vielmehr an eine Ornamentirung 
mit der Nadel denken muss. 1) Deswegen findet man auch bei vielen 
altern Klassikern bei dieser Bezeichnung die Erklärung hinzugesetzt: 
„acu pictus". In dieser Bedeutung braucht auch Cicero den Ausdruck, 
wenn er die Decke des Lagers von Damocles beschreibt, das mit 
reichen Stickereien ausgestattet war, „strato pulcherrime textili stra- 
gulo, magnificis operibus pictoä?) Auch Ovid spricht von ge- 
stickten Bettüberzügen „picti tori", 3) die in derselben Weise durch 
Nadelwirkereien verziert waren, wie Catull das Bett von Thetis und 
Peleus beschreibt. i) Es liesse sich nun nicht ohne Grund die Frage 
aufstellen, 0b die bei altern römischen Schriftstellern so häufig 
genannten „vestes pictae" 5) immer gestickte Gewänder waren, oder 
ob man nicht auch kostbarere Stoffe im Laufe der Zeiten anzufer- 
tigen gelernt hatte, in Welchen man mit der Webspule Scenerien 
und Ornamente in leichten Umrissen einzuflechten und einzuweben 
verstand. Octavius Fcrrarius in seinem sehr interessanten aber 
selten gewordenen Werkchen „de re vestiaria" liefert hierüber 
eine genügende Antwort, indem er auseinandersetzt, Ü) dass man 
zur Zeit des klassischen Ronfs zuweilen die Togen in kunstreicher 
Arbeit bestickte und zuweilen auch durch eingewebte lNIuster be- 
lebte_ Dass man in der Glanzzeit des alten Ronfs reich gearbeitete 
Nadelivirkereien, phrygischc Arbeiten anfertigte, dafür führt Fer- 
rarius an als Gewährsmann Plinius, der die Erfindung der Stik- 
kereien den Phrygiern zuschreibt; er sagt nämlich: „acu facere 
id Phryges invenerunt, ideoque phrygiones appellati sunt." Der- 
selbe Plinius führt auch an, dass schon, wie wir oben gesehen 
haben, zu Homerys Zeiten Gebrauch gewesen sei, gestiekte Klei- 
der zu tragen: „pictas vestes iam apud Homerum fuiSSe Ende 
triumphales natae." Mit Bezug auf das Vorkommen von kunst- 
vollen in Gold eingewebten Dessins, schreibt Ausonius an Gratian: 
sPalmatam togaxn   tibi misi in qua D. Constantinus parens noster 
intextus estf") Eine andere Frage, 0b sich das klassische Alter- 
Ibid. lib. VIII., v. 277. 
Tuscul. Quaest. lib. V. cap. XXI. 
Hen, epist. XII. v. 30. 
Catull. cann. LXIV. v. 47 et seq. 
Juvenal, saß. VL, v. 482 und Val. Flacc. Arg, lib. III. v. 340_ 
Oct. Ferrar. de re vest., lib. II. pag. 130-132. 
Auch Polybius spricht in seinem VI. Buche von „Gewändern m3; 
durchwebt.' 
Gold
        

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