Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2764
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vielen Goldbroehirungen an den kirchlichen Festtagsornaten des 
XV. Jahrhunderts sehr häufig gefunden haben. 
Auch der trefflich dargestellte Grünsammet. mit goldenen Gra- 
natäpfeln, ähnlich wie die auf Tafel XIX, an dem Königsmantel 
der Figur die zur Linken des Thrones kniet, so wie der ügurirte 
Blausammet an dem Wvaflenrock des h. Gereon auf dem innern 
linken Flügelbilde, sind fast ängstlich nach kostbaren Sammetge- 
Weben gebildete Darstellungen von Stoffen, wie wir sie in den 
Hofreehnungen CarPs des Kühnen von Burgund und anderer 
Grossen jener Zeit notirt und beschrieben finden. 
Auch das hiesige städtische Museum mit seinem grossartigen 
Reiehthum an Tempera-Bildern auf Goldgrund, so wie die bekannte 
reichhaltige Sammlung des Herrn Stadtbaunieisters Wreyer an alt- 
cölnisehen und niederdeutschen Gemälden des XV. Jahrh. lie- 
fern den evidenten Beweis, wie vortheilhaft die kirchliche Malerei 
in ihrer Glanzperiode sich der Weberei und ihrer Details zu de- 
eorativen Zwecken zu bedienen wusste. 
In der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts ging man so- 
wohl in der Seulptur wie auch in der Malerei vielfach von der 
naturgemässen Darstellung der Gewänder und der dazu benutzten 
Stoffe hinsichtlich des Faltenwurfes ab; man ahmte wohl noch im- 
mer mit grosser Sorgfalt und Naturwahrheit die reichen Dessins 
der damals gebräuchlichen Goldbrocate und schweren Sammet- 
stoffe nach; aber die Schwere und Dichtheit der Stoffe mit reichen 
Goldbrochirungen war bei der Stafiirung einem leichten fliessen- 
den Faltenwurf eben nicht günstig. Deswegen half man auf 
künstliche Weise der Bildung einer zierlichen Drapirung nach, 
ordnete selbst überreichlieh den Faltenwurf und brachte auf diese 
Weise eine Menge kleiner gekniekter ltaltenbrüche da an, wo sie 
bei dem natürlichen WVurf des Gewandes unmöglich vorkommen 
können. Es wurde bald diese erkünstelte Draperie mit dem ge- 
häuften eckigen Gefälte Manier und Styl. Dieses eckig gebrochene 
manierirte Gefälte artete namentlich in der eölnisehen und schwä- 
bischen Schule gegen Schluss des XV. und im XVI. Jahrhundert, 
insbesondere bei Albrecht Dürer und seiner Schule der Art aus, 
dass diese in zahllose Falten gekniekten Gewänder einen darmar- 
tigen, unruhigen und verworrenen Effekt hervorbraehten. 
Dass die schwere Textur der goldbrochirten Stoffe, nament- 
lich aber die Sammetgewebe damaliger Zeit als Staifage die nächste 
Veranlassung boten, dass man in der Sculptur und Malerei auf diesen 
eben bezeichneten eckig gebrochenen manierirten F altenbruch gerieth, 
wodurch sich die einschlagenden Darstellungen des XV. und XVI.
        

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