Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2682
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der aus dem Schluss des XV. und Beginn des XVI. Jahrhunderts 
wird sich Gelegenheit bieten , die letzte Periode der 1nittelalterli- 
che11 Sammetfabrication in Spanien und Italien" zur Zeit CarPs V. 
zur Sprache zu bringen und durch einige Abbildungen zu er- 
läutern. 
Im Vorstehenden haben Wir es Versucht, wenn auch nur in 
flüchtigen Umrissen, unter Hinzufügung charakteristischer Zeich- 
nungen, nach den in unserer Sammlung befindlichen Original-Stof- 
fen, eine geschichtliche Uebersicht des Entwickelungsganges der 
Weberei edler Stoffe zunächst für liturgische Zwecke zu entwer- 
fen. Es mag am Schlusse dieser Ilebersicht gestattet sein, noch 
in Kürze darauf hinzuweisen , Welchen grossen Einfluss die We- 
berei kostbarer Zeuge nicht nur in Hinsicht auf die formelle und 
ästhetische Ausstattung der verschiedenen Cultgewändcr, sondern 
auch in Rücksicht auf den Entwiekelungsgang der Sculptur und 
lllalerei ausgeübt hat. 
Vielen mag die Behauptung in etwa gewagt erscheinen, dass 
die Seulptur und Malerei des hlittelalters durch die WVeberei in etwa 
bedingt war. In dem Maasse nämlich, wie die Weberei zu grösse- 
rer Vollkommenheit sich entfaltete, in demselben Grade ging auch 
die Sculptur und Malerei einer grössern Entwickelung entgegen. 
Seulptui- und Malerei hat bei Darstellung von menschlichen Figu- 
ren eine zweifache Aufgabe: die anatomisch plastische Darstel- 
lung sichtbarer körperlicher Formen und die Anordnung der Ge- 
Wandmassen. 
Die heidnische Kunst, deren Bestreben darauf gerichtet war, 
auf den Sinnenmenschen zu wirken durch Darstellung des natür- 
lich Schönen, liebte es, den Menschen in seiner Nacktheit nachzu- 
bilden: das Ideal der elassisehen Kunst. Deswegen kömmt in der 
griechischen bildenden Kunst die Drapiruug der Gewänder, 1) die 
Darstellung der Stoffe nicht so zur Geltung, wie das namentlich 
in der byzantinischen und germanisch christlichen Kunst der Fall 
ist. Die christliche Kunst hatte ein unvergleichlich höheres Ideal 
sich gestellt; sie suchte nicht irdisch, sinnlich zu wirken , sondern 
sie wollte den Menschen durch ihre Productionen für das Ueber- 
irdische, Himmlische stimmen und empfänglich machen. Ihre Dar- 
 
w 
Selbst bei Anwendung von Gewändern in der römischen Kunst-Epoche war 
das Bestreben der Künstler darauf gerichtet, die körperlichen Formen unter 
dem leichten {liegenden Gewande möglichst hervortreten zu lassen; deswe- 
gen bediente der Bildhauer und Maler sich bei Anlegung seiner Kunst- 
schöpfungen dünner StoiTe, die nass um das Modell in zierlichem Gefälte 
geordnet wnrdem
        

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