Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2642
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kunstreiehe, vollendete Sammet-Fabrication gegen Schluss des XV. 
und Beginn des XVI. Jahrhunderts Zeugniss ablegen. 
Zum Schlusse dieser kurzgedrängten Uebcrsicht über das Ge- 
schichtliche der SaInmet-Fabrieation im Mittelalter mag es gestat- 
tet sein, im Vorbeigehen noch darauf hinzuweisen, wie hoch die 
Sammetstoffic im Mittelalter im Preise standen, und wie selbst in 
Bezug auf den Preis die Superiorität der Sammetwebereien vor 
den übrigen glatten oder faeonnirten Seidenstoffen begründet war. 
WVas den Rang und den Werth der Seidengewebe im Mittel- 
alter betrifft, so kann als feststehend betrachtet werden, dass man 
den Sammet den schweren Gold- und Silberstolfen entweder gleich- 
stellte oder unmittelbar folgen liess. 
Es kann dieses nicht auffallend erscheinen , indem besonders 
im XIV. und XV. Jahrhundert die italiänischen, spanischen und 
türkischen Sammetgewebe mit den reichsten Dessins in Gold in 
einer Weise brochirt Waren, dass heute noch die Reste dieser 
Sammetstoffe in Bezug auf Reichthtlm und Gediegenheit- unser ge- 
rechtes Staunen erregen. 
Wvir werden bei Beschreibung der einzelnen priesterli- 
chen Gewänder im Folgenden noch öfter Gelegenheit haben, auf 
diese prachtvollen Sammetstoffe zurückzukommen und von den 
interessantesten und reichsten, wie sie sich in unserer Sammlung 
befinden, genaue Abbildungen beizufügen. 
Hier sollen, entnommen aus alten Inventarien und Hof- 
rechnungen , einige Citate folgen, die uns auch ohne Zeichnun- 
gen Aufschlüsse über die Vortrefflichkeit der Sammetgewebe 
jener prunkliebenden Zeit und deren hohen Einkaufspreis bieten 
können. 
So findet man in einer der Rechnungen des Hofes der Her- 
zoge von Bourgogne vom Jahre 1412 zwei Zahlungen notirt, eine 
von 820 Fcs. an Bauduche Trente, Kaufmann zu Paris, "für den 
Verkauf und die Uebergabe von 5 Stück schwarzem figurirteln 
Sammet mit Gold broehirt", 1) und eine andere von 726 Fcs. 
an "Bethin Dathis qualifies marehans de Lucques" a Paris, 2) 
"für 2 Stück und ein halbes Ischwarzen Sammet, iigurirt mit 
grossem Blätterwerk, dessen eine Hälfte aus Blättern von earmoi- 
sinrothem, die andere aus grünem Sammet mit kleinen weissen 
Les ducs de Bourgogne, Qe part. tome Ier, page 66, N0. 215. 
Aus dieser so wie aus andern Angaben lässt es sich deutlich ersehen, dass 
die bedeutendem Mauufacturisten von Lucca, Florenz, Genua, in Seiden- und 
Sammetgeweben schon frühzeitig in grössern Städten ihre Niederlassungen 
und Magazine angelegt hatten. 
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