Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2638
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aber mit geschnittenen Dessins belebt. Diese Dessins stellen sich 
auf glattem Satin vertieft dar , und hat es den Anschein, als ob 
der hochstehende Sannnet an diesen Stellen kimstlieh weggescho- 
ren sei. Heute werden diese Dessins in Seiden- und Wollensam- 
met, wie bekannt, durch eine mechanische Pressung erzielt, und 
ist das meistens ein nnhaltbares, modernes Surrogat für die frü- 
hern schweren Sammetzeuge mit künstlich eingesehnittenen llIu- 
stern. Unseres Wissens befindet sich an zwei Dalmatiken in 
grünem Wollensammet in St. Severin zu Cöln das älteste Vor- 
konnnniss der Anwendung von Handpressen zur Erzielung von 
Mustern in Sammet. Das Gewebe gehört seiner Zeichnung nach 
bereits dem XVI. Jahrhundert an. Unsere Sammlung von mittel- 
alterlichen Originalwebereien weist eine grosse Anzahl solcher 
Hgurirten altern Sannnetxvebereieli des XIV. und XV. Jahrhun- 
derts auf ; auch finden sieh in (lerselben mehrere Stoffe in Sammet 
mit geschnittenen Dessins, die zu gleicher Zeit mit Goldmuster 
brochirt sind. 
Bei der folgenden Beschreibung der einzelnen liturgischen Ge- 
wxandstüeke wird sich Gelegenheit finden, einige dieser interessan- 
tern Sammetstoffe durch Zeichnungen zu veranschaulichen , na- 
mentlich solche reichere Gewebe, in denen auch vielfarbige Zeich- 
nungen in Sannnet zur Anwendung kommen. 
Hier genüge nur noch die Andeutung, dass sich noch in vie- 
len Kirchen Deutschlands und Italiens namhafte Reste der spanischen 
und italianisehen Sannnet-Fabrication aus dem Schlussc des Mit- 
telalters an CaSChI, Dilllnütikml, Pluvialen, Axitipentlien etc. erhalten 
haben, von einer solchen zarten und technisch schönen Ausfüh- 
rung, wie sie unsere heutige entwickelte Fabrication auf dem 
Wiege der lllasehine wohl schwerlich zu Stande bringen dürfte. 
So sah man auf der mittelalterlichen Kunstausstelhlng zu Cre- 
feld im Jahre 1852 und im erzbischöfliehen Museum zu Cöln 1) 
im Sommer 1855 mehrere liturgische Gewänder, verschiedenen 
rheinischen Kirchen angehürend, die aus selnveren genuesischen 
Sammetstoften mit geschnittenen Dessiils und mit reichen Gold- 
brochiruilgen angefertigt waren. Dieselben gehören meistens dem 
XV. Jahrhundert all- Allch in den Sacristeien der Domkirche zu 
Ilalberstadt, der lllarienkirehe zu Danzig, des Münsters zu Aachen 
und zu Xanten, der Kathedralen zu Florenz, Mailand, Palermo 
und Montreal sahen wir noch zum Theil sehr werthvolle und mei- 
stens gut erhaltene Paramente von reichen Sammetstoffen, die für 
Vgl. 
die 
Kataloge. 
einschlägigen
        

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