Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2611
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Aus dem eben angegebenen Grunde ist es erklärlich, dass bereits 
mit Schluss des XIII. Jahrh. der kirchliche Cult in Prachtgewän- 
dern von Sammet mit reichen Goldstickereien gefeiert. werden konnte, 
wovon sich heute noch wenige, aber glänzende Ueberreste erhalten 
haben. Der Vorrath der bischöflichen Kathedralen an liturgischen 
Gewändern in Sammet wurde noch dadurch bedeutend vermehrt, 
dass im XIII. Jahrhundert die im Occidente entstandenen Ma- 
nufaeturen auf Sicilien und in dem nördlichen Italien zur Blüthc 
gelangten , und es namentlich seit dem XIV. Jahrhundert allge- 
meiner Brauch wurde, der Kirche npallia optima", worunter in 
erster Reihe immer golddurchwirkte Sammetstofte zu verstehen 
sind, als Geschenke bei besondern Veranlassungen darzubringen. 1) 
So figuriren denn auch von jetzt ab in den Verzeichnissen des 
"thesaurus indumentorum" vieler Stifts- und Kathedralkirchen eine 
Menge von Paramenten, die aus schweren Sammetstoffen, häufig 
mit Gold brochirt, angefertigt waren. Schon im XII. Jahrhundert 
spricht die Chronik von Hildesheim von rothen und weissen Sam- 
metzeugen (examinatum, examitum), aus welchen der Bischof ein 
vollständiges Ornat als Geschenk für seine Kirche. anfertigen 
liess. 2)  Der Beichtvater der Königin hflargaretha berichtet uns, 
dass Ludwig IX. in seiner Capelle bischöfliche Gewänder von 
Sammet und andern kostbaren Seidenstoften besass; dieselben wa- 
ren mit Gold gestickt und von den Ijlarben, wie sie die Zeit und 
die Feste erforderten. 3) Ferner ist in dem Inventar CarYs V. 
häußg die Rede von Pluvialen und lllessgewvändern und von voll- 
ständigen Capellen, die sämmtlieh von oftgenanntem Stoffe angefer- 
tigt waren. 4) 
So liesse sich , altern Autoren zufolge , das Verzeichniss der 
in jener Zeit in den Vestiarien der Kirchen befindlichen Sammet- 
gewänder weiter fortführen , wenn es hierorts als zweckdienlich 
erachtet werden könnte. 
Von diesen altern, meist noch unvollkommenenplüschartigen Sam- 
metwebereien, die bereits das frühere Mittelalter nach dem Vorherge- 
henden mit besonderer Vorliebe zu reichern Cultgewändern anwandte, 
haben sich bis auf unsere Tage leider; ausser den oben angeführten, 
Uebcr diesen Gebrauch werden wir in einem folgenden Capitel das Nähere 
mittheilen. 
Chron. Hildesheim. A. D. 1144-1198. Mon. Germ. hist. scripn, tom. VII, 
pag. 858 lin. 35. 
Histoire de Saint Louis par Ichansire de Joinville pag, 312. 
Item deux autres chappes de samit noir orfraysiä de tanelle    iißm 11116 
autre chapelle de samit noir, brodäe ä estoillemMs. de 1a Bibl. nat. Nr. 1102.
        

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