Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2597
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einen Leibrock von Sammet (cotte de sainit), der zu verstehen 
gab, dass er ein Ritter sei." 1) Vorzüglich aber War der grüne 
Samlnet 1) im XIII. und XIVIJahrhundert die Lieblingsfarbe und 
der bevorzugte Stoff, aus Welchem die Banner, die Leib- und Waf- 
fenröcke der Ritter angefertigt zu werden pflegten, wenn sie im 
festlichen Anzuge auf Turnier zogen. 
S0 liesst man im Wigolois, dem Ritterz-i) 
Sein Waffenroek von borten was 
Ein samit, grune als ein Gras 
was zu der banier gesnitcn. 
Bereits im Anfange des XIV. Jahrhunderts, mehr aber noch ge- 
gen den Schluss des XIV. Jahrhunderts war der Vorrath der Kirche 
an schweren Saunnetstoften schon beträchtlich; es ist dieses zu cntnel1- 
men aus den vielen noch vorhandenen Verzeichnissen der Schätze und 
Gewänder berühmter Kathedral-Kirchen. Da nun aber die Samlnet- 
stoffe um jene Zeit die thcuersten und gesuchtesten waren, und die 
Kirche nicht immer die Mittel haben mochte, für die liturgische Klei- 
dung der damals schon zahlreichen Geistlichkeit so kostbare Gewebe 
anzuschaffen, so mag es von Interesse sein, in Folgendem mitzu- 
theilen, auf welche Weise sich zumeist die Gewandschränke der 
reichen Sacristeien (vestiaria) des Mittelalters hinsichtlich der Sam- 
metgewebe füllten. 
Es war ein uralter, in der Kirche bestehender Gebrauch, die 
Gräber (tumuli) der Heiligen mit reichen, golddurchwirkten Stof- 
fen") zu bedecken. Schon im XII. Jahrhundert ging man wei- 
ter, und überdeckte auch die Särge vornehmer Verstorbenen mit 
den werthvollsten Webereien, die um so kostbarer waren, je hü- 
her der Verstorbene in Rang und Würde stand. Und zwar ge- 
schah dieses bei feierlichen Funeralämtern , wenn die Leiche auf 
hohem Katafalk von Lichtern umgeben exponirt war. Es Wurden 
dann von den Leidtragenden diese VVeihgeschenkc „für die See- 
lenruhe der Verstorbenen" E") über den Sarg ausgebreitet; war bei 
 
1) L9, trEs-äleganie  Ilistoire  du roy Perceforest etc. tom. III, fol. 127 
col. 2. 
2)    vesrita d'uno sciamito vcrdc 0d ornata multo, etc. il decamerone giorno 
VII, nav. IX,  ferner Orlando furioso, cant. VI st. LXXII. 
3) Wigolois, der Ritter etc. Berlin 1819, pag. 18, v. 400 und ferner idem pag. 
30, v. 743 und pag. 3-3 v, 851_ 
4) Monumenta. Germaniae historica, script. mom. IV, pag. 37. lin. 42 und ferner 
Acta sanctorum ordinis St. Bencdicti, saec. III, pars II, pag. 209. 
5) Item baudekynüS Tllbells, Cum Sampsone constringente ora leonum (befand 
sich als Dessin in diesem Stoß: gewebt) de dono Almerici de Lucy pro 
anima. G. de Lucy.
        

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