Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2587
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gewiesen werden, Wodurch diese gesteigerte Production bedingt 
wurde. Mit dem XIII. Jahrhundert war die Iälüthezeit des Rit- 
terthulns eingetreten; die frühere herkömmliche lilinfaehheit in 
häuslicher Einrichtung und Kleidung war, nachdem nian den Reich- 
thuni und die Schätze des Orients kennen gelernt hatte, einem 
Streben nach Aufwand und Prunk gewichen. 
Dass man jetzt zu einzelnen Feierkleidern , so wie zu wohn- 
lichen Zwecken") sich des Sannnets seiner Solidität und seines 
reichern Effectes wegen oft bediente, geht aus vielen Stellen der 
Troubadours und Minnesänger hervor, wo sie den Anzug ihrer 
Helden oft mit. ängstlicher Genauigkeit beschreiben. z) Auch in den 
Gedichten der deutschen Minnesänger, des Wolfram von Eschen- 
bach, des Günther von der Vogelweide, fehlt es nicht an solchen 
Beschreibungen. So heisst es in der Eneidt des Ileinrich von 
Veldecke: 
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UH samit u. uff side. 
Myllcfs Sammlung 1. B. Seite 98. 
Bei den vielfachen Ilantlelsverbindungen der Venetianer, Ge- 
nueser und der übrigen norditaliänisehen Freistädte mit dem Üriente, 
dem Ilauptstapclplzltze für Sammetwebereien bis zum XIV. Jahr- 
hundert, gelangte der Sammet im Oecident zu ausgedehnterm Ge- 
brauche, so dass (lerselbe besonders im XIII. und XIV. Jahrhun- 
dert fast ausschliesslieh bei der hohen Aristokratie als Luxusstoff 
in Mode kam. 
S0 berichtet, um nur eines anzuführen, ein Schriftsteller, dass 
bei Gelegenheit der Heirath Alphonä, Bruder Ludwigs IX. , die 
Barone und Ritter gekleidet Waren in Samrnet und in Seide. 3) 
Es scheint sogar, dass um diese Zeit ein Sammetgewantl für den 
Grossen- und Ritterstainl bezeichnend wurde. Ein Historien- 
sehreiber damaliger Zeit erzählt uns nämlich von seinem Heros: 
„dass er gar sehr vom Volke angestaunt wurde; denn er trug 
 
Vergl. die Rechnungen des Gottfried von Flcuri, seiner Invcntairc des biens 
meubles de Louis Hulin etc. 
Li Romans düklexandcr S. 18 v. 36; ferner Parteuspeus de Blois I B. S. 
37 v. 1069; ferner Hartmanlfs Gedicht vom Glauben, herausgegeben von 
Llassxpann v, 2414, 
Histoire de saint Louis, edit. du Louvre, pag. 181.
        

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